Was wird sein?
Spielzeit 2017/18

Arminio

Dramma per musica in drei Akten von Georg Friedrich Händel, Text von Antonio Salvi

Cheruskerfürst Arminio schlägt im Jahre 9 n. Chr. die Römer im Teutoburger Wald vernichtend in der legendären Hermannsschlacht, die zu einem der wichtigsten Gründungsmythen der Deutschen avancierte. In Händels lange Zeit unterschätzter Barockoper „Arminio“ bilden jene kriegerischen Auseinandersetzungen den Rahmen für ein Familiendrama. Verrat und Zwietracht herrschen unter den Führern der Germanen, doch die Liebe ist stärker als alle Intrigen:
Arminio gerät in römische Gefangenschaft, was seinen Schwiegervater Segeste freut. Segeste ist zu den Römern übergelaufen und möchte seine Macht durch die Hinrichtung des verhassten Arminio stärken. Doch Tusneldas Liebe zu Arminio kann ihr hinterhältiger Vater nicht bannen. Sigismondo – Segestes Sohn – schwankt zwischen Vatertreue und der Geliebten Ramise, die sich für ihren Bruder Arminio aufopfern will. Schließlich kann Tusnelda Sigismondo überzeugen, Arminio zu befreien. Dem Kerker entronnen, führt Arminio das germanische Heer zum Sieg gegen die Römer. Freigiebig schenkt er Segeste das Leben und stellt damit den Familienfrieden wieder her.

Händel schuf mit „Arminio“ eine dramatische Vertonung der sagenhaften Ereignisse um die Hermannsschlacht; doch Klopstock war einer der Ersten, der sich theatralisch mit dem Stoff befasste. Er wurde in Quedlinburg geboren – hier findet die „Arminio“-Premiere statt.

Mit freundlicher Unterstützung von



Musikalische Leitung  MD Johannes Rieger
Inszenierung  Oliver Klöter
Ausstattung  Andrea Kaempf
Arminio  Denis Lakey
Tusnelda  Bénédicte Hilbert
Sigismondo  Runette Botha
Ramise  Regina Pätzer
Segeste  Juha Koskela
Varo  Max An
Tullio  Gijs Nijkamp
  Orchester und Statisterie des Nordharzer Städtebundtheaters

Das Nordharzer Städtebundtheater beweist erneut, dass es mit Barock-Oper gefallen kann.
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Ein ambitioniertes Unterfangen, zu dem der bekennende Händel-Anhänger Johannes Rieger auf ein durchgehend bestens präpariertes Sänger-Ensemble bauen kann. Beinahe jede ausufernde Arie feiert das Publikum mit Szenenapplaus, beim Verneigen am Ende klingen sogar Bravo-Rufe.
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Oliver Klöter nutzt die Bühne als Opern-Spielplatz mit Mega-Bauklötzern, die zeit der Aufführung hin und hergeschoben werden, um neue Orte anzudeuten.
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Er fährt das ganze Spektrum an Emotionen auf, es wird geliebt, begehrt, verstoßen, Treue gehalten und geschworen, Blut fließt, und die Konflikte in Arminius‘ Familie knallen aufeinander.
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In der Halberstädter Besetzung erlebt der Besucher alte Bekannte und beeindruckende neue Stimmen. Countertenor Denis Lakey, der die Titelrolle singt, hörte man schon bei der Aufführung der Oper „Julius Cäsar“, als Gast-Ramise kehrt Regina Pätzer mit ihrem sanften Mezzo und großer Ausstrahlung ans Haus zurück, dessen Ensemble sie mehrere Jahre angehörte. Der gebürtige Südafrikaner Lakey überzeugt als Arminio mit einer schön timbrierten Stimme, mit der er beweglich seine Koloraturen zaubert.
Alle anderen Rollen sind hausintern besetzt. Ein interessanter Griff: Runette Botha singt den meist Countertenören vorbehaltenen Sigismondo, der in eine nahezu ausweglose Situation zwischen der Liebe zur Feindesschwester-Ramise und der Treue zum Vater auf der anderen Seite steckt. Ein Höhepunkt: ihre Arien „Posso morir“ und „Quella fiamma“. Verdient bejubelt sie für Gesang und Darstellung das Publikum. Juha Koskela füllt markant die Rolle des Segeste, Arminios Schwiegervater und Gegenspieler im eigenen Lager gut aus. Max An stellt sich als Varo mit einer fein ausgesungenen Koloraturarie als neues Ensemble-Mitglied vor und harmoniert gut mit dem von Gijs Nijkamp gesungenen Tullio. Die als sehr barockaffin geltende neu engagierte Bénédicte Hilbert lässt ihren Sopran strahlen und schlägt gekonnt den Bogen zwischen entfesseltem Weib und leidender Liebender.
Es ist dieser Gesang und manche Orchester-Passage, die die von Moll-Tonarten durchzogene Händel-Oper zum Besuchstipp macht. Denn wo hört man sie sonst in der weiteren Umgebung?

Uwe Kraus, Mitteldeutsche Zeitung


Standing Ovations für Händels Oper „Arminio“. Mit dem Barockwerk stellt das Nordharzer Städtebundtheater erneut seine künstlerische Leistungskraft unter Beweis.
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Regisseur Oliver Klöter inszeniert mit Bedacht. Stilisiert werden feinste Gefühlsregungen sichtbar. Zugleich werden die Markenzeichen von Händels Musik – psychologische Eindringlichkeit und Präzision – im Geschehen eindrucksvoll widergespiegelt.
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Die Barockoper lebt von der Meisterschaft der Sänger und dem Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters unter Musikdirektor Johannes Rieger. Er stellt damit erfolgreich seine sechste Händeloper vor – präzise und mit fein organisiertem Wohlklang zwischen Orchestergraben und Bühne.
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Ohne Ausnahme waren alle Partien hervorragend besetzt.
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Glückwunsch diesen Interpreten!

Hans Walter, Volksstimme


Anerkennung und Hochachtung für eine außergewöhnliche künstlerische Leistung muss man dem Ensemble des Nordharzer Städtebundtheaters zollen. Solisten und Orchester unter Musikdirektor Johannes Rieger haben mit der Aufführung dieser selten gespielten, 1736 in London uraufgeführten Händel-Oper einmal mehr ihre künstlerische Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt.
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Und darin liegt das Besondere und auch das Bemerkenswerte der Inszenierung von Oliver Klöter. In seiner sehr ausdifferenzierten Personenführung greift er die musikalische Inspiration aus dem Orchestergraben und dem Basso continuo mit Huyung Ju Lee am Cembalo, Jens Herrmann am Violoncello und Frank Petersen an der Theorbe auf. Wohltuend ist, dass es beim Gesang kein Posieren an der Rampe gibt. In entscheidenden Momenten lässt der Regisseur die Personen in ihren Posen verharren, übersetzt Bewegungen in slow motions, spielt mit Schattenbildern. Das ist überaus effektvoll, erhellt die komplizierten Beziehungen zwischen Arminio und Tusnelda, Sigismondo und Ramise sowie Segeste, Vario und Tullio, die immer wieder auf das Schicksal der sich Liebenden Einfluss nehmen.
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Gesungen wird ohne Fehl und Tadel. [...] ein Barockensemble, das diese Aufführung mit einem glänzend aufspielenden Orchester zu einem Erlebnis macht.
Auch in der dritten Vorstellung gibt es minutenlange standing ovations für das Solistenensemble und besonders für das Orchester und seinen Dirigenten.

Herbert Henning, opernnetz.de