Auf die Plätze!

Die Stadt gehört den Demokraten! Eine Eroberung des öffentlichen Raumes durch Kunst und Kultur

Die Stadt als Bühne der Bürger. Am 14. September 2007 wurden von 19.00 Uhr bis weit nach Mitternacht öffentliche Plätze mit Kunst und Kultur belebt. Nach zahlreichen gewalttätigen Übergriffen von rechtsextremen Tätern sagen die Bürger Halberstadts und der gesamten Harz-Region: Es reicht! Und engagieren sich gemeinsam mit Vereinen, Verbänden, Theatern, Parteien und Bürgerinitiativen für ein gewaltfreies und tolerantes Miteinander. Das Stadtprojekt „Auf die Plätze!“ verbindet alle kulturellen Kräfte und zeigt die Potentiale der Zivilgesellschaft in ihrer ganzen Vielfalt. Die Demokratie braucht Demokraten, also: „Auf die Plätze!“ für ein (er)lebenswertes Halberstadt!

Teilnehmer und Unterstützer

Nordharzer Städtebundtheater, Stadt Halberstadt, Stadt Wernigerode Theater Magdeburg, Puppentheater Magdeburg, Kleine Bühne Naumburg, Harzer Bergtheater Thale, Landesbühnen Sachsen-Anhalt Lutherstadt Eisleben, Thalia Theater Halle, neues theater Halle, Theater Nordhausen, Berlin Gogos Deutscher Bühnenverein, ZDFtheaterkanal, Junge Wirtschaft Harz, NOSA, Halberstädter Verkehrs-GmbH, Wernigeröder Verkehrsbetriebe, Q-BUS, Halberstädter Wohnungsgesellschaft, Halberstädter Landwurst GmbH, Kasten Veranstaltungstechnik Halberstadt, Ton- und Lichtfabrik Blankenburg, Töpperwein Music GmbH, THW Quedlinburg, Zeitenreise e.V., Tiergarten Halberstadt, Kabarett Wortschatz, Kinoclub Zuckerfabrik, Halberstädter Posaunenchor (Evangelisches Kirchspiel), Jugendblasorchester, Spielmannszug Harsleben, Landespolizeiorchester, Shanty-Chor Halberstadt, Stadtbibliothek Halberstadt, Städtisches Museum Halberstadt, Germania Halberstadt Leichtathletik, Red Scorpions-Cheerleader, Volleyballverein Halberstadt, Volleyballmannschaft der Polizei, Käthe-Kollwitz-Gymnasium Halberstadt, Gymnasium Martineum Halberstadt, Bürgerbündnis für ein gewaltfreies Halberstadt, Präventionsprojekte der Polizei, Internationale Jugendgemeinschaftsdienste Sachsen-Anhalt e.V., amnesty international, Unabhängiger Frauenverband, Cecilienstift, Gegen Vergessen, für Demokratie e.V., Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), Bündnis 90/Die Grünen, Deutscher Gewerkschaftsbund, Moses-Mendelsson-Akademie, Landeszentrale für politische Bildung: Aktion „Hingucken!“, Theaterfördervereine Quedlinburg/Halberstadt, Kreissparkasse Halberstadt, Sparda Bank, Vereinigte Volksbank, Hagebaumarkt, Koch-Druck, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt Rathauspassagen, Bildende Künstler, Ausstellungen, Walking Acts, Boule-Turnier, Kurzfilmschau, Salsa u.v.m., Bands: Vitarmin B, Subsoil Empire, Wordart, Ten Sing, Mindmap, Nilzzon & Rezz

Positive Bilanz des Stadtprojektes „AUF DIE PLÄTZE!“

Das Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt/Quedlinburg zieht positive Bilanz des Stadtprojektes „AUF DIE PLÄTZE! – Die Stadt gehört den Demokraten“

Am Freitag, dem 14.09. 2007, fanden auf insgesamt dreizehn Bühnen im Stadtgebiet zwischen 19.00 und 02.00 Uhr 67 Veranstaltungen statt. Theaterkünstler aus Halberstadt, Quedlinburg, Magdeburg, Halle, Eisleben, Nordhausen und Naumburg hatten gemeinsam mit Bürgern der Stadt und der Region für einen Abend öffentliche Plätze mit Kunst und Kultur belebt, um so ein Zeichen gegen den erstarkenden Rechtsextremismus für eine tolerante und freiheitliche Gesellschaft zu setzen. Die Veranstalter berichten, dass ca. 6000 Menschen dem Aufruf gefolgt sind und Orte, an denen sich ansonsten verstärkt rechte Gewalttäter aufhalten, besetzt haben.

Der Initiator der Aktion Intendant André Bücker zeigte sich zufrieden mit der Resonanz: „Unsere Ziele haben wir erreicht. Halberstadt war in dieser Nacht ein Ort der Kommunikation, des friedlichen Miteinander. Viele Bürger haben ihre Stadt neu erlebt. Die positive Energie dieses Tages kann aber nur der Auftakt für eine Veränderung des Alltags sein. Die Zusammenarbeit mit der Stadt, den Bürgerinitiativen, Gruppen und Vereinen soll intensiv weiter geführt werden.“

Termine

Fr » 14.09.07 » 19.00 Uhr »  Halberstadt

Pressestimme: Backe, Hans und Grete

Berliner Zeitung, 17.9.2007
Die rechten Schläger von Halberstadt haben Schaden angerichtet. Jetzt heißt es: Nutzen daraus ziehen!

von Ulrich Seidler

Ich darf das.", proklamiert Backe, ein jugendlicher, doch aufgedunsener und trübäugiger Suffpunk seine Individualrechte (Name stilecht geändert). Und er zündet sich, nachdem er sich ein sonnengewärmtes Guten-Morgen-Sternburgpils in den Hals geschüttet hat, eine zerknitterte Haschtüte an. Wir befinden uns im Harz-Elbe-Express auf dem Weg von Halberstadt nach Quedlinburg zur Antigegendemo.

Obwohl es noch ziemlich früh ist, will Backe die Quedlinburger Bürger ein bisschen unterstützen bei ihrem Protest gegen einen NPD-Aufmarsch unter dem antikapitalistisch-kameradschaftlichen Motto: "Auf die Plätze! Wer schützt uns vor euch? Organisiert euch gegen Polizeistaat und Kapital".

Dieser Marsch ist wiederum eine Reaktion auf das politische Theatervolksfest in Halberstadt am Abend und in der Nacht zuvor: "Auf die Plätze! Die Stadt gehört den Demokraten" wurde veranstaltet unter der Führung des Nordharzer Städtebundtheaters, von dessen Existenz die Welt seit Juni Kenntnis hat - seit dem Überfall von rechtsgesinnten Schlägern auf ein paar Schauspieler und Tänzer, die ihre Premiere der "Rocky Horror Show" feiern wollten, den falschen Weg nahmen und zusammengedroschen wurden. Als endlich Polizisten kamen, haben sie die Täter laufen lassen, aber gründlich die Personalien der Opfer aufgenommen. Halberstadt - die Pforte zum Harz, berühmt für seinen Dom und seine Würstchen - hatte keine gute Presse.

Anders als in Mügeln, wo ein paar Wochen später Inder von einem Mob durch die Stadt geprügelt wurden, geht man das Problem offensiv an, indem man erst einmal zugibt, eines zu haben. Es wurde ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt, der sich mit rechtsextremen und fremdenfeindlichen Vorgängen bei der Polizei Sachsen-Anhalts befassen soll. Inzwischen sitzen die Täter in Untersuchungshaft; der Prozess beginnt Anfang Oktober.

Beim Volksfest konnte man sich sicher fühlen in Halberstadt. Viele Polizeibeamte waren im Einsatz. Einerseits passten sie schön auf und nahmen 15 mutmaßliche Rechtsextreme in Gewahrsam, andererseits beteiligten sie sich aber auch am Programm (einer bot mit Cowboyhut seine Jodelkünste dar).

Backe war in dieser Nacht sicher auch lange wach, sein Kumpel klagt kurz über Kopfschmerzen und schläft wieder ein. Als das Begleitpersonal versucht, Backe beim letzten Halt vor dem Ziel des Zuges zu verweisen ("Raus jetzt, sonst fahren wir nicht weiter"), klart sich sein Blick etwas auf. Der Zug steht, Backe sitzt, der Kampf hat begonnen. Der Einwurf eines sozialpädagogischen Begleiters: "Spontandemo in Ditfurt - ob's das jetzt so bringt?", überhört Backe. Und nach ein paar Minuten fährt der Zug wieder an. Mit Backe. Sieg! Ein kurzer allerdings, in Quedlinburg wird er von Polizisten empfangen - da ist noch weit und breit kein Nazi zu sehen.

Die kommen ein bisschen später anspaziert: "Hier marschiert die deutsche Jugend!" Der Harz-Elbe-Express bringt alle halbe Stunde ein paar mehr. Am Ende sind es um die zweihundert, denen ähnlich viele Gegendemonstranten gegenüberstehen. Dazwischen - bestimmt noch einmal zweihundert - Polizisten. Ein engagierter Lockenkopf versucht zum rechten Block durchzukommen, wird von einem Beamten unsanft weggeschubst. Mit einem letzten Aufschrei und hochgerissenen Armen wirft sich der Märtyrer in die Polizistenkette. Das rechte Völkchen quittiert die Geste mit Hohnlachen. Einer von ihnen, seinerseits vermummt mit Kapuze und Sonnenbrille, dreht die Szene. Falls man doch noch einmal ohne Polizeischutz in Kontakt kommt. Dann wird wieder zugedroschen.

Die leider gar nicht ungewöhnlichen Schläge vom Juni haben ungewöhnlich viel ausgelöst. Auch wenn es sich bei den Opfern nur zufällig um Schauspieler handelte, es also kein gezielter Anschlag auf die Kunst war, reagierte die Öffentlichkeit empfindlicher als sonst - also auch angemessener. Denn in der Sache wird mit jedem ideologisch motivierten Gewaltakt unsere Zivilgesellschaft angegriffen und damit unsere Kultur. Man kommt um solche Großwörter mit Phrasenvedacht nicht herum, sie füllen sich in diesem Zusammenhang allerdings auch wieder mit ziemlich handfester Bedeutung.

Ähnlicher Bedeutungszuwachs könnte dem Theater widerfahren. Angesichts der aussichtslosen Konfliktsituation, wie sie sich zum Beispiel bei dem Demo-Duell in Quedlinburg zeigt, angesichts auch des ruinierten Images, könnten sich die Bürger auf ihre zivilisatorischen Errungenschaften besinnen. Und das Theater ist eine der ersten.

Die sachsen-anhaltischen Bühnen rauften sich denn auch zu der Initiative "Republik der Phantasie" zusammen, wobei erst einmal eine Broschüre herausgekommen ist, in der sich die Theater vorstellen und auf Veranstaltungen hinweisen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Das geht von "Anne Frank" und "Hallo Nazi" über Andres Veiels "Der Kick", das einem grausamen, scheinbar unmotivierten Mord in der ostdeutschen Provinz nachgeht und gleich auf zwei Bühnen Premiere hat, bis zu "Hänsel und Gretel", das schließlich von verwahrlosten Kindern aus einem trostlosen Elternhaus handelt - von potenziellen Nazis also oder auch von Backe.

Man kann auch profaner sagen, dass die Theater mit dem Überfall Werbung für sich machen. Nur zu. Gelegenheit zur Kontaktaufnahme bot das Volksfest in Halberstadt, an dem 1 000 Leute mitwirkten und zu dem 6 000 Besucher kamen. Es gab Theaterszenen, Tanzperformances, Liedprogramme, Ausschnitte aus Opern und Operetten, Diskussionen, Konzerte, Lesungen. Blasorchester bliesen, Volleyballer ballerten, ein Spielmannszug schepperte.

Die Bühnen waren in der ganzen Innenstadt verteilt, am Tatort und an den Treffpunkten der Rechten. Das friedliche Miteinander zeigte sich im Steinhof hinterm Dom am gemütlichsten. Hier, wo kurz nach der Wende ein paar Alternative die Ruinen von Fachwerkhäusern kauften und reparierten, gab es Kesselgulasch vom offenen Feuer, Bier, für das man "ca. 1 Euro" in eine Pappschachtel des Vertrauens werfen sollte, sowie zersauselte Bluesmusik, vorgetragen von einem Knappzwanziger, der aussah wie Stefan Diestelmann vor 40 Jahren. Nebenan, vor der "Roten Zora" - einem zwischen klösterlichen Mauern gelegenen "soziokulturellen Zentrum" - zeigte man dieweil Videos von Nazis. Für die nächsten Begegnungen.

Gegen Mitternacht eroberte der Regen den öffentlichen Raum. Gegen das Wetter machtlos zu sein ist keine Schande.

Pressestimme: Aktion „Auf die Plätze!“ gut gelungen / Polizei nimmt 15 Rechte in Gewahrsam

Volksstimme Halberstadt, 17.9.2007

Henke: „Das zeigt das Potenzial der Halberstädter“

Halberstadt (sc).Beschwingte Stimmung herrschte am Freitagabend in Halberstadt. Auf 14 Plätzen der Stadt wurde Unterhaltung geboten – die Aktion „Auf die Plätze! Die Stadt gehört den Demokraten“ ist gut gelungen.

Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) sagte nach der Aktion, er sei stolz auf die Halberstädter und auf alle Gäste, die dabei waren. Das Stadtoberhaupt sprach von Aufbruchstimmung und „einer neuen Qualität der Auseinandersetzung mit dem erstarkenden Rechtsextremismus in der Region“ – wohl wissend, dass diese Aktion allein das Problem nicht löst.

Der Abend und insbesondere auch die Phase der Vorbereitung hätten aber gezeigt, dass „wir alle – Bürgerschaft, Verwaltung, Institutionen, Kulturschaffende und Polizei – ein Stück zusammengerückt sind und welches Potenzial in Halberstadt steckt.“ Henke dankte allen Halberstädtern, Gästen, Organisatoren und an erster Stelle allen mitwirkenden Künstlern, Sportlern und Ehrenamtlichen, die die Aktion n zum Erfolg werden ließen.

Die Veranstalter, Stadt und Nordharzer Städtebundtheater, sprachen von einem absolut gelungenen Abend mit mehr als 6 000 Gästen. „Das, was wir erleben konnten, übertrifft die Erwartungen“, freute sich Dieter Krone vom Organisationsteam der Stadtverwaltung. Die Stimmung sei hervorragend gewesen, die Leute gut drauf und das Wetter habe auch mitgespielt. Jedenfalls bis kurz vor Mitternacht, als dann doch noch Regen eingesetzt hatte.

Mehr als 1000 Mitwirkende aus Halberstadt, den Nachbarstädten und den Theatern Naumburg, Magdeburg, Halle, Eisleben, Nordhausen und Dessau agierten bei insgesamt 67 Veranstaltungen an 14 Orten im gesamten Stadtgebiet und boten anspruchsvolle künstlerische, politische und sportliche Unterhaltung.

Zur Absicherung des Abends waren 317 Polizeibeamte und das THW Quedlinburg im Einsatz. Nach Angaben der Polizeidirektion seien bereits zu Beginn des Abends 15 rechtsorientierte Personen in ein zentrales Polizeigewahrsam in Magdeburg genommen worden. Darüber hinaus habe es, so berichtete Polizeisprecher Ulrich Wagner, 79 allgemeine Identitätsfeststellungen und 50 Platzverweise im Verlaufe des Abends gegeben. Das sei aber normal im Rahmen der Polizeiarbeit während eines solchen Einsatzes, betonte Ulrich Wagner.

Pressestimme: Stolperstein, Film, Musik, Theater – eine Umfrage unter Akteuren und Zuschauern zum Aktionstag

Volksstimme Halberstadt, 17.9.2007
„Wir haben genug von den Nazis“
Von Marlene Behrmann und Marco Oschlies

So viel Leben ist selten abends in Halberstadts Straßen zu erleben. Tausende gut gelaunter Gäste genossen das Spektakel „Auf die Plätze“ und zeigten Gesicht gegen die Neonaziszene im Harz.

Halberstadt. Beim Klubhaus, dem Ort also, an dem sich am 9. Juni der brutale Überfall gegen die jungen Schauspieler ereignet hatte, legte Daniel Priese, Künstler und Bildhauer aus Halberstadt, allen Bürgern einen drei Tonnen schweren Stein in den Weg. Was es mit diesem Projekt auf sich hat, erklärte er so: „Dieser unbearbeitete Stein hat mehrere Funktionen. Zum einen dient er als Mahnung an vergangene Vorkommnisse faschistischer Gewalt und soll gleichzeitig auch eine zukunftsweisende Rolle übernehmen, damit so etwas nicht wieder geschieht.“ Darüberhinaus, so Daniel Priese weiter, solle der Stein als Anstoß zur Diskus sion um ein Denkmalprojekt an jenem Ort dienen und so lange dort liegen bleiben, bis eben diese Diskussion in Gang komme. Die Nachhaltigkeit dieses Projekts lässt sich somit vor allem in der Dimension des Steins erkennen, der nicht wegzutragen und somit auch nicht wegzudiskutieren ist. Mithin ein Stolperstein für alle Bürger.

An gleicher Stelle gab es noch eine weitere Sehenswürdigkeit; und zwar präsentierte Barbara Löhr von der evangelischen Jugendarbeit interessierten Bürgern verschiedene aufklärerische, zugleich unterhaltsame Kurzfi lme gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Unter den Zuschauern befanden sich auch Navina Kautz und Matthias Enders, beide Studenten aus Halberstadt. „Wir sind hier, um Präsenz zu zeigen. Es ist zudem interessant hier zu sein, vorbeizukommen, stehen zu bleiben und nach einiger Zeit einfach wieder weiter zu gehen. Es zeigt, dass Kultur Spaß machen kann“, erklären die beiden, während sie gerade aufmerksam den Film „Schwarzfahrer“ auf der Leinwand verfolgen.

Doch nicht nur erwachsene Bürger waren an diesem Freitag aufgerufen, sich an dem Aktionsbündnis gegen Neonazismus zu beteiligen. Farbe zu Toleranz und einem friedlichen Miteinander bekannten auch die jüngsten Bewohner Halberstadts. Unterstützt durch die Interessengemeinschaft Junge Wirtschaft Harz, die ihren Stand in der Plantage hatte, waren die Kinder dazu angehalten durch ihre farbigen Handabdrücke, die sie auf einer großen Holzplatte anbrachten, die Vielfältigkeit Halberstadts zu symbolisieren. Zu einem späteren Zeitpunkt soll dieses von den Kindern gestaltete Kunstwerk für einen guten Zweck versteigert werden.

Augenfällig war es auch, dass sich besonders viele junge Menschen gegen Gewalt und Faschismus engagierten. So zum Beispiel Janine Manchhoff, Susan Mingram und Antje Severin, die das Konzert von „El Rey de los sonidos“ am Johannesbrunnen verfolgten. Warum sie gekommen waren, erklärten die jungen Frauen so: „Es ist wichtig, dass jeder Einzelne kommt. Wir haben genug von den Nazis und wollen deren menschenverachtendes Verhalten nicht weiter hinnehmen.“ Zum Aktionsabend sagte Janine Manchhoff aus Wehrstedt: „Ich freue mich, dass so viele Menschen Initiative zeigen. Es ist eine gute Aktion, die im großen Rahmen stattfindet. Nur so geht‘s in die richtige Richtung“. Allerdings seien nicht nur die Bürger gefordert. Auch die Politik müsse etwas tun, um das gesellschaftliche Bewusstsein zu wecken, merkten die drei Frauen noch an.

Den Nazis in dieser Stadt keinen Platz zu lassen, war das Ziel der zahlreichen Organisatoren des Aktionsabends. Auch der Bahnhof war fest in der Hand von Nazigegnern und das trotz des kurz vor Mitternacht einsetzenden Regens. Hier zeigten junge und engagierte HipHop-Künstler aus Halberstadt und UmgebungihreKreativität und Vielseitigkeit im Gegensatz zum braunen Einheitsbrei.

Musik der etwas anderen Art wurde auch am Domplatz geboten. Hier waren es Blechbläser verschiedener Ensembles, die mit festlicher, aber auch schwungvoller Musik ihren Beitrag zum Gelingen des vielgestaltigen Abends leisteten. Über die „angenehme Stimmung“ und „nette Atmosphäre” freuten sich Grit und Matthias Krause aus Quedlinburg, nach deren Ansicht man solche Veranstaltungen ruhig öfter machen sollte. Zu der Problematik mit rechtsextremen Jugendlichen äußerten sie sich auch und zwar sei dieses ein Problem, das man nicht länger ignorieren könne. Vielmehr, so Grit Krause weiter, sei es wichtig, die Zivilcourage zu stärken und junge Menschen, die auf die schiefe Bahne geraten seien, zu integrieren.

Ähnliche Ansichten vertraten Christa und Dieter Reckziegel aus Halberstadt: Nach ihrem Dafürhalten solle man mehr Möglichkeiten für Jugendliche schaffen, damit diese erst gar nicht auf dumme Gedanken kämen. Es sei stets die Politik, die vom Bürger Zivilcourage einfordere, so Dieter Reckziegel weiter, dabei sei es ja gerade die Politik selber, die diese nicht habe. Als Beleg für seine These nannte Dieter Reckziegel dann das Beispiel des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger, dessen skandalträchtige Trauerrede in ganz Deutschland für Empörung gesorgt hatte.

Illi Oehlmann, Schauspielerin am Nordharzer Städtebundtheater, las ein Gedicht an der Total-Tankstelle und begleitete dann von dort aus den Spielmannszug zum Fischmarkt. Illi Oehlmann findet die Aktion „Auf die Plätze“ sehr gut und sehr wichtig. Sie ist gebürtige Leipzigerin und wohnt nun in Quedlinburg. „Ich habe noch nie so viele Glatzen auf einem Haufen gesehen“, sagte sie. „Jedoch weiß man nicht: ist jede Glatze ein Nazi?“, gibt sie zu bedenken. „Man ist eben so sensibilisiert, wachsamer und vorsichtiger, wenn man welche entdeckt.“ Illi Oehlmann lässt sich von diesen Menschen in ihrem Lebensstil nicht beeinfl ussen. Am Freitag mischte sie sich einfach unter das Volk, betrachtete die Menschen und war mitten im Getümmel.

Daniela Gustus „besetzte“, zusammen mit ihrer Familie, den Bahnhofsvorplatz, den Fischmarkt und die Plantage. „Sehr gut hat mir das Konzert mit den Orchestern und Chören aus den drei Städten Nordhausen, Magdeburg und Halberstadt, gefallen. Insgesamt ist die ganze Aktion super“, sagte Daniela Gustus. Im Vordergrund stand schon der Spaß, aber natürlich ist sie sich des ernsten Hintergrunds bewusst. „Wir unterstützen die Aktion natürlich. Deswegen harren wir hier auch im Regen aus“, betonte sie, als um 23.30 Uhr ein kleiner Schauer vorüberzog. Von der Aktion erwartet sie, dass sie die Menschen wachrüttelt.

Christian Jérôme Timme, Regieassistent am Nordharzer Städtebundtheater, war am Freitag der Verantwortliche für den Platz vor dem Martineum. Er sagte: „Der Zustrom ist gut! Bei dem deutsch-bosnischen Theaterprojekt war der ganze Platz mit Zuschauern gefüllt, auch das Zeitungstheater der Sturm und Drang Gruppe, die einzelne Ausschnitte aus Artikeln zu dem Überfall auf Schauspieler des Nordharzer-Städtebundtheaters im Juni lasen, hatten super Publikumsreaktionen.“ Christian Jérôme Timme fand die Aktion gelungen. „Überall war was los, viele Menschen – nicht nur aus Halberstadt – waren unterwegs.“ Auch die Mitarbeiter von anderen Theatern waren beeindruckt von dem großen Engagement und der Unterstützung. „Man kann nur hoffen, dass die Menschen das mitnehmen und das ernste Thema nicht aus ihrem alltäglichen Leben verdrängen“, sagte er.

Olaf Nadebor war gleich zur Auftaktveranstaltung – Ausschnitte der Rocky Horror Show – auf dem Fischmarkt. „Das war eine gelungene Eröffnung des Abends“, sagte er. Besonders interessant fand er den darauffolgenden Polit-Talk. „Ich hätte mir gewünscht, dass konkrete Fakten genannt werden, trotzdem war es gut.“ Olaf Nadebor besuchte die Veranstaltung mit seiner Tochter. Ihm war bisher nicht bewusst, dass es in Halberstadt so viele gewaltbereite Menschen mit rechtem Gedankengut gibt. „Die Aktion hat aufgerüttelt. Ich hoffe, es folgen weitere Veranstaltungen und das Thema bleibt öffentlich – diese Aktion darf keine einmalige Sache sein.“ Er fühlte sich bei der Veranstaltung in keiner Weise gefährdet: „Die Polizei war präsent, aber auch nicht in bedrohlicher Anzahl – das war genau richtig.“ Er freute sich, dass die Aktion gut angenommen wurde. „So etwas wie im Juni darf nicht wieder passieren.“

Pressestimme: Auf den Bierbänken der Demokratie

nachtkritik.de, 16.9.2007
von Dirk Pilz

Halberstadt, 14. September 2007. Es geschah in der Nacht vom 8. auf den 9. Juni diesen Jahres in Halberstadt: Mehrere Schauspieler des Nordharzer Städtebundtheaters wurden von rechtsextremen Schlägern angegriffen. Sie kamen von der Premierenfeier nach der "Rocky Horror Picture Show" im nahe gelegenen Harzer Bergtheater, als Neonazis aus der Kneipe "Spucknapf" heraus angriffen. Einem der Tänzer wurden Zähne ausgeschlagen, dem Gitarrist die Nase gebrochen, die anderen kamen mit kleineren Blessuren davon.

Am Freitag standen sie mit dem "Rocky"-Ensemble auf einer kleinen Freilicht-Bühne im Zentrum von Halberstadt und eröffneten den Aktionsabend "Auf die Plätze! Die Stadt gehört den Demokraten". Bis tief in die Nacht wurde das gesamte Stadtgebiet der 1200 Jahre alten Bischofsstadt im nördlichen Harzvorland bespielt. Tanz, Musik, Theater, gedacht als "Eroberung des öffentlichen Raums durch Kunst und Kultur". Die Rechte Szene, hieß es in der Ankündigung, versuche "offensiv den öffentlichen Raum zu besetzen und freiheitlich demokratische Kräfte zurückzudrängen"; sie erzeugte bewusst "ein Klima der Angst". Mit "Auf die Plätze!" sollte sich die Demokratie als "wehrhafte Alternative gegenüber dem erstarkenden braunen Selbstbewusstsein" erweisen. Ein öffentlicher Protest, organisiert vom Nordharzer Städtebundtheater.

Volksfest als Alternative

Und zum Auftakt also Ausschnitte aus der "Rocky"-Show auf dem Fischmarkt: knallige Kostüme, fetziger Sound, Heiterkeit im Publikum. "Lost in time, lost in space" singen sie auf der Bühne, während die wehrhafte Demokratie an Bierbänken sitzt. Die Alternative tritt als Volksfest auf. Rückeroberung der Stadt heißt: Würstchenbude, SPD-Stand, Bier in Plastikbechern. Dazu ein bunter Veranstaltungsreigen.

An der Total-Tankstelle, dem Treff der Neonazis, startet der Harslebener Spielmannszug, unter einer Linde liest ein Schauspieler Texte von Christoph Hein. In den Rathauspassagen ein jodelnder Polizist, vorm Dom der Posaunenchor. Und Oberbürgermeister Andreas Henke dankt von der Fischmarkt-Bühne herab dem örtlichen Straßendienst, der "morgen alles wieder schön ordentlich und sauber macht".

Wie ist das möglich?

Intendant André Bücker sagte nach dem Überfall, die Kollegen wurden nicht zusammengeschlagen, weil sie Tänzer und Sänger sind, sondern "weil sie am falschen Ort zur falschen Zeit waren". Solche Dinge passierten in Halberstadt öfters. Das örtliche sozio-kulturelle Zentrum "Zora e.V." hat eine Chronologie der jüngsten Ereignisse veröffentlicht. Brandanschläge, Körperverletzungen, Rauchbomben. In Halberstadt, sagt man bei "Zora", würden "rechtsradikale Jugendliche und Erwachsene anscheinend toleriert". Anscheinend.

Und anscheinend nicht nur in Halberstadt. Rechtsextremismus und das kollektive Schulterzucken sind keine Einzelfall-Probleme, auch keine ostspezifischen. Es sind gesamtgesellschaftliche. Wer wüsste das nicht. Und wer weiß einen Ausweg? Die Erklärungsversuche docken entweder bei sozialpolitischen (Perspektivlosigkeit, Arbeitslosigkeit etc.) oder historisch-psychologistischen Argumenten an (fehlende Einübung in Toleranz, mangelnde Kenntnisse anderer Kulturen etc.), verweisen auf die unehrliche Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit im Osten und auf die vernachlässigte Sozialarbeit in Gesamtdeutschland. Sie sind alle genauso richtig, wie sie das Ursachengeflecht vereinfachen.

Bühne statt Fäuste

"Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, dass so etwas möglich ist", steht im Online-Gästebuch des Harzer Bergtheaters. Das Ensemble stehe unter Schock, sagte damals die Chefdramaturgin in Halberstadt. Der Kampf gegen Rechtsradikalität sei eine Aufgabe der gesamten Zivilgesellschaft, meint der Oberbürgermeister. Ratlosigkeit auf allen Ebenen. Wut, auch Vorwürfe. Die Polizei hat offensichtlich nicht entschieden genug gehandelt in jener Nacht, der Landtag von Sachsen-Anhalt inzwischen einen Untersuchungsausschuss eingesetzt. Er wird um das entscheidende Problem nicht herumkommen: Rechtsradikales Denken ist längst kein Randphänomen mehr. Auch deshalb das "Auf die Plätze!" – als kollektiver Wachrüttler.

Die Nazis haben im Juni die Falschen erwischt, findet Bücker. Denn das Theater könne etwas öffentlich machen, was sonst viel zu oft nicht öffentlich werde. Er meint die reale Bedrohung von Rechts. Und er meint das Theater in seiner Funktion als Bewusstseins-Schärfer und Anbieter von Lebens- und Denkalternativen. "Sie nutzen die Fäuste, wir nutzen die Bühne", sagt Bücker.

Wohlfühlen an sonst düsteren Orten

An diesem Abend wird die Bühne vor allem als Quell der Unterhaltsamkeit genutzt. Dort, wo es geschah, zeigt das Theater Magdeburg Schlagzeug-Stücke und die Landesbühne Sachsen-Anhalt aus Eisleben eine Volkstheater-Szene namens "Doktor Wundertat". Unter freiem Himmel gibt es Ausdruckstanz in roten Leibchen, gleich dahinter wird Volleyball gespielt. Die Stimmung ist gelöst, das Einkaufszentrum hat bis Mitternacht geöffnet, überall sind Grill-Stände aufgebaut. Später fängt es zu regnen an.

Im Einzelfall mochten die Darbietungen naiv anmuten, aufs Ganze gesehen löste das Theater im Verbund mit Vereinen, Bürgerinitiativen und Verbänden aber ein, was es versprach: das konkrete, greifbare Zeichen-Setzen. Ein Punktsieg für die Demokratie. Die Leute kamen, die Leute fühlten sich wohl.

Die nächsten Aufmärsche

Im Steinhof, direkt neben "Zora" gelegen, saßen sie bis spät auf den Bierbänken, aßen Kesselgulasch, lachten und wärmten sich die Herzen. Unter den Tischen krabbelten die Kinder, die Hof-Band machte auf Blues. Schnittchen wurden gereicht, Geschichten erzählt. Es könnte so einfach sein.

Am Tag eins nach der Halberstadter Rückeroberung marschierten die Neonazis durchs benachbarte Quedlinburg. Motto: "Auf die Plätze, und wer schützt uns vor euch? Organisiert euch gegen Polizeistaat & Kapital". Auf Flugblättern wurde in Halberstadt zur Gegendemonstration aufgerufen. Nichts ist einfach im Kampf gegen Rechts.

Pressestimme: Der Harz muss bunt bleiben

Mitteldeutsche Zeitung, 17.9.2007
Halberstadt und Quedlinburg wehren sich - NPD muss Demonstration verkürzen
von Steffen Reichert

Farbenfroher Protest gegen Rechtsextremisten: 2 000 Quedlinburger verhinderten am Samstag in einer stundenlangen Aktion, dass die NPD auf dem Marktplatz der Weltkulturerbe-Stadt demonstrieren konnte. Die Rechtsextremisten musste ihre Route ändern. (MZ-Foto: Chris Wohlfeld) Halberstadt/Quedlinburg/MZ. Angst? Angst ist ein großes Wort. Alexander Junghans überlegt einen Augenblick, bevor er auf die Frage antwortet. "Ich würde es eher ein flaues Gefühl nennen", sagt der Punk nach einigen Sekunden. Wenn er abends durch die leeren Straßen Halberstadts geht, und wenn er mit seinen bunten Haaren so richtig auffällt. Dann erinnert sich der 21-jährige Schauspieler natürlich an diesen Juniabend, als er mit seinen Kollegen von Rechtsextremen getreten und zusammengeschlagen wurde. Und er denkt daran, wie es seien wird, wenn er seinen Peinigern Anfang Oktober zum Prozess vor Gericht wieder gegenübersteht.

An diesem Freitagabend muss Alexander Junghans keine Angst haben. Die Straßen von Halberstadt, sie sind nicht leer. Im Gegenteil: 6 000 Menschen sind gekommen, um all jene Orte, Ecken und Straßen zu bevölkern, auf denen sich häufig die Mitglieder der rechten Szene der Harzstadt tummeln.

Begeistertes Publikum

"Auf die Plätze" hat das Ensemble des Nordharzer Städtebundtheaters seine einmalige Aktion genannt, die mit dem Glockenschlag des Harzer Doms Punkt 19 Uhr eröffnet wird. Und zwar mit einer Bühnenshow, die so bunt ist wie sein Schauspielensemble: Fast 20 Artisten singen unter dem Beifall eines begeisterten Publikums die Lieder, die seit mehr als 30 Jahren die Bühnen dieser Welt erobern: zur "Rocky Horror Show".

Auch Prominente zeigen Flagge. Sachsen-Anhalts Justizministerin Angela Kolb (SPD) und der Chef der Staatskanzlei, Rainer Robra (CDU), der Frontmann der Linkspartei Gregor Gysi und Grünen-Politikerin Undine Kurth sind gekommen, um auf verschiedensten Bühnen und in Podiumsdebatten der Frage nachzugehen, was diese Gesellschaft zusammenhält, und was man gegen rechte Rattenfänger tun kann. André Bücker, Initiator des Abends und zugleich Theaterintendant, ist denn auch sichtlich erfreut über die rege Anteilnahme. "Die Leute sind heute auf jenen Plätzen, wo sonst die Unkultur regiert."

Wie nötig das ist, wird trotz der ausgelassenen Stimmung auch an diesem Abend deutlich. Immer wieder trifft man in Halberstadt junge Leute, die hellblaue Zettel verteilen. "Querstellen!" prangt von dem Papier in fetten Lettern. Querstellen als Ausdruck von Zivilcourage. Denn im nahen Quedlinburg will am nächsten Tag die NPD demonstrieren. Erstmals seit 1945 marschieren Rechtsextremisten durch die Stadt - ein Umstand, der viele dort betroffen macht.

Aber nicht hilflos. So ist es eine ganz praktische Frage für die Halberstädter Initiatoren, jene Aufbruchstimmung auch nach Quedlinburg zu tragen. Denn nicht nur die Bilder, die aus der Weltkulturerbe-Stadt um die Welt transportiert werden, könnten fatal sein. Die Folgen der NPD-Demo-Ankündigung sind es schon ganz praktisch. Bereits am Morgen klagen die Mitarbeiter der Tourismus-Information, dass Fahrten kurzfristig abgesagt, dass Führungen zurückgegeben und Übernachtungen storniert worden sind. 1 500 Polizisten aus mehreren Bundesländern haben die Stadt hermetisch abgeriegelt. Quedlinburg ist eine Festung.

Viele sind gekommen

Und viele sind gekommen, um gegen Rechtsextreme zu protestieren. Quedlinburgs Oberbürgermeister Eberhard Brecht (SPD) steht vor dem Bahnhof. Jenem Ort, wie er sagt, an dem man normalerweise Gäste in Empfang nimmt. Aber diese Gäste will niemand haben. "Der neue Harzkreis", ruft Brecht ins Mikrofon, "soll nicht mit der Farbe braun verbunden werden. Der Harz muss bunt bleiben." Und noch etwas hat sich der Runde Tisch gegen Ausländerfeindlichkeit einfallen lassen. Bunte Seidentücher hängen aus den Fenstern. Der schmucke Markt erstrahlt in einem Meer aus Farben. Sonnenblumen werden verteilt, regenbogen-bunte "Pace"-Friedensfahnen hochgereckt. Rund 2 000 Quedlinburger haben den Weg in die Mitte ihrer Stadt gefunden, um mit ihrem stundenlangen Verharren jenes symbolische Bild zu verhindern, das die 240 Rechtsextremen aus ganz Sachsen-Anhalt gerne produzieren wollen. Die Demonstranten wollen verhindern, dass NPD-Fahnen zwischen den Fachwerkhäusern auf dem altehrwürdigen Markt flattern.

Eine Strategie, die aufgeht. Der Chef der Landesbereitschaftspolizei, Alfred Tilch, lässt kurzerhand umplanen. Der Marktplatz ist überfüllt, die Rechtsextremen müssen ihre Route ändern. Sie führt nun direkt zurück zum Bahnhof. Auf jenen Platz, wo man auch ungebetene Gäste am liebsten sieht - bei der Abreise.

Interview mit Intendant André Bücker - ZDF Theaterkanal


Den Flyer zum Projekt mit Programm und Orten und Zeiten können Sie noch hier herunterladen.