Spielzeit
2020/21

Der Vetter aus Dingsda

Operette in drei Akten von Eduard Künneke
Text: Herman Haller und Fritz Oliven
nach einem Lustspiel von Max Kempner-Hochstädt

Schon seit sieben Jahren sehnt Julia täglich die Rückkunft ihres geliebten Roderich aus fernen Kolonien herbei. Sie möchte ihn endlich heiraten. Doch leider hat auch ihr Vormund Josef Kuhbrot bereits – vornehmlich eigennützige – Heiratspläne für seine vermögende Nichte entwickelt. Als plötzlich ein fremder junger Mann vor der Tür steht, wird es spannend in dieser turbulenten Verwechslungskomödie, denn es geht letztlich darum, wie lange die attraktive Julia dem Charme des Vetters aus Dingsda widerstehen kann und will.

Rebekka Stanzel nimmt konzeptionell ganz besonders den historischen Background dieser Operette ins Visier: „Der eben erst vergangene I. Weltkrieg, der die Elterngeneration in eine hektische und arbeitsreiche Zeit gestürzt hat, lässt das Verhalten von Wimpel und Josse, die ja als gierige Schmarotzer erscheinen, auf einmal verständlich werden: Einer, der nie genug zu Essen hatte, oder darauf angewiesen war, sich’s dann schmecken zu lassen, wenn er Gelegenheiten dazu hatte, wird sich natürlich keine Chance entgehen lassen: ‚Wer weiß, wie lange es uns noch so gut geht?‘ Und wer würde denn nicht aus kalter, enger Armut mit wehenden Fahnen in ein Schloss einziehen, um auf ein Mündel aufzupassen? (...) Und wie sind Julia de Weerts Eltern eigentlich zu ihrem Reichtum gekommen? Waren sie vielleicht Industrielle aus der Rüstungsindustrie? Spekulanten? In jedem Falle aber doch wohl liebende Eltern, die dafür sorgten, dass ihr liebes Töchterchen möglichst geschützt und wohlbehütet aufwachsen kann – wenn auch ein wenig weltfremd, denn das ist Julia in ihrer kindlich-oberflächlichen Hyperromantik mit Sicherheit. Da ist das ‚Strebersöhnchen‘ Egon in all seiner preußisch-wohlerzogenen Lächerlichkeit: als ewiger Verlierer, der immer versucht, es allen Recht zu machen, eigentlich zu bedauern. Oder Roderich, der sich mit seinen sechzehn Jahren gerade noch rechtzeitig nach Batavia verkrümelt hat, ehe man ihn zum Wehrdienst einziehen konnte und der seiner von sich deutlich zu überzeugten Cousine vor Augen führen könnte, dass Namen und Oberfläche letztlich Schall und Rauch sind. Aber das sagt er ja nicht! Er lobt das echte Leben vor den ‚toten‘ Idealen.“

Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden 15 Minuten (eine Pause)
Fotos: Ray Behringer

Musikalische Leitung  Florian Kießling
Inszenierung  Rebekka Stanzel
Ausstattung  Andrea Kaempf
Dramaturgie  Susanne Germer
Julia  Bettina Pierags
Hannchen  Bénédicte Hilbert
Josse  Klaus-Uwe Rein
Wimpel  KS Gerlind Schröder
Egon  Tobias Amadeus Schöner
1. Fremder  Max An
2. Fremder  Marius Rothe
Karl  Gijs Nijkamp
  Harzer Sinfoniker

Pressestimmen: Der Vetter aus Dingsda

Mitteldeutsche Zeitung

Von Uwe Kraus

„(...) Gijs Nijkamp als Karl dient seinen beiden Dicken Josse und Wimpel, gewohnt bühnenpräsent mit mimischer Stärke und Schlagfertigkeit KS Gerlind Schröder und Klaus-Uwe Rein, weiter. Absoluter Verlierer des Abends: Frauenmissversteher Egon von Wildenhagen. Das Publikum liebt den Landratssohn in Gestalt von Tobias Amadeus Schöner wegen seiner Tollpatschigkeit und seinem Blumenpapier-Falten. (...)“

Volksstimme

Von Renate Petrahn

„(...) Hervorragend die Leistung der Harzer Sinfoniker unter der Leitung von Florian Kießling, die sowohl die schmissigen und schwelgerischen Melodien in all ihrer Farbigkeit mit Präzision und rhythmischen Elanspielen und dabei gelegentlich an das Palast-Orchester von Max Raabe erinnern. (...)“