Was wird sein?
Spielzeit 2017/18

Dinner for One

Silvesterkult mit Edith Jeschke und Norbert Zilz


Inszenierung  
Miss Sophie  
James  Norbert Zilz

Pressestimme: Der Butler und das Bärenfell

Mitteldeutsche Zeitung, 3.1.2007
Von Uwe Kraus
Halberstadt/MZ. Der Intendant höchstselbst hieß Silvester die Gäste auf dem Landsitz der nunmehr 90jährigen Miss Sophie willkommen. André Bücker bereitet die Zuschauer auf das „ungewöhnlichste Geburtstagsdinner, das es ja gab“ vor. Gegessen und besonders getrunken wird viel, gesprochen dagegen kaum, und wer regelmäßig Silvester vor dem Fernseher saß, konnte in der Kammerbühne fast mitreden. Edith Jeschke und Norbert Zilz schlüpfen in die Rollen von Miss Sophie und Butler James im kultigen Zweipersonenstück „Dinner for One“. Da der englischsprachige 18minüter nicht synchronisiert wird, hatten es Halberstädter wie Niederländer am Sonntag gleich leicht, den beiden Erzkomödianten aus dem Musiktheaterensemble zu folgen. Norbert Zilz servierte das Standard-Menü, greift für die längst verstorbenen Geburtstagsgäste in der Reihenfolge Sherry, Weißwein, Champagner und Portwein mit zum Glas und stolpert natürlich über den platten Eisbären. Denn Sir Toby, Admiral von Schneider mit seiner knarksigen Aussprache, der eher zurückhaltende Mister Pommeroy und Mister Winterbottom, als liebster Gast der Lady, sind zwar alle dahingeschieden, aber man gibt sich traditionsbewusst: das Mahl und besonders die Alkoholitäten muss der zunehmend alkoholisierte Butler James auftischen. Zilz wie ehedem vor 43 Jahren Freddie Frinton agiert mit immer verschlungenerer Zunge temporeich und mit akrobatischen Verrenkungen beim Servieren. Legendär ist der Spruch von James vor jedem Gang „The same procedure as last year, Miss Sophie?”, dem sie entgegnet: „The same procedure as every year, James“. Wobei mit steigendem Promillepegel der Butler seinen Text immer mehr vernuschelt. Obwohl er rülpst wie im Original, die Hacken und das „Skall!“ wie im traditionellen Silvester-Film klingt, erlebt das Publikum einen echten Zilz, der nur in winzigen Detail vom TV-Dauerbrenner abweicht. Er stakst daher, wackelt mit dem Kopf und dreht die Hände steif in die Servierstellung nach oben, die Stolperer sitzen, zunehmend schwerer werden die Beine, das Huhn schießt im Steilflug quer über die Bühne, auf der nur die Bühne für den Abgang fehlt. Edith Jeschke wirkt als distinguierte Miss Sophie jünger und agiert deutlich frischer als May Warden im Film. Apart lebt sie ihre Feierlaune aus. Und letztlich endet die Feier wie jedes Jahr: Miss Sophie will nach oben. Bleibt zu hoffen, dass die am häufigsten wiederholte Fernsehsendung in der deutschen TV-Geschichte nun anhebt, ein Dauerbrenner am Nordharzer Städtebundtheater zu werden. Die enttäuschten Kartenwünsche 2006 und das Darsteller-Duo geben Gewähr, dass das Stück wie in Magdeburg, wo es Silvester sechsmal lief, bald auch im Nordharz zu „The same procedure as every year“ werden könnte. 

Pressestimme: Lachsalven für den Silvesterkult im Harz

Volksstimme Halberstadt, 3. 1. 2007
Halberstadt. Die seit 43 Jahren zum Jahresende wohl meistgestellte Frage ist weltweit: „The same procedure as last year, Miss Sophie?“ Die Antwort von Miss Sophie und was dann folgt beschert Jahr für Jahr Silvester in mehr als 20 Ländern ungeteiltes Vergnügen und ist zum Silvesterkult avanciert. „Dinner for One oder Der 90.Geburtstag” wurde durch Freddy Frinton als James und May Warden als Miss Sophie zum Fernsehereignis, ist mehr als 240mal allein im deutschen Fernsehen ausgestrahlt worden und erhielt bereits 1988 eine Eintragung ins Guinness-Buch der Rekorde. Längst hat der kultige 18minütige Zweipersonensketch auch die Theater erobert. Es gibt „Dinner for One“ auf platt, auf sächsisch und bayerisch. In der Version „uff hessisch“ gibt es für „de Mamma“ statt „Mulligatawny-Suppe, Haddock (Schellfisch), Chicken und Fruits“ nun einfach „Dick Supp, Kardoffelpannkuch und Grie Sos met hart Eier“, und für die nicht erschienen Gäste Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pomeroy und Mr. Winterbottom „Äbbelwoi un en Likörsche“. Das Nordharzer Städtebundtheater lud zum „Dinner for One“ in die Halberstädter Kammerbühne ein und landete mit Norbert Zilz als Butler James und der wunderbaren, ganz noblen und ziemlich attraktiven Edith Jeschke als Miss Sophie und ihrem kultigen „Same procedure as every year, James!“ einen Coup. Intendant André Bücker höchst selbst führte, ganz wie in der legendären NDR-Produktion, in die „Geburtstagsfeier“ ein und lud die Gäste anschließend zum „Silvester-Sekt“ ins Foyer. Seine Inszenierung hält sich vor allem bei dem, was Butler James, der für die nicht anwesenden, längst verstorbenen Geburtstagsgäste trinken und Miss Sophie zuprosten muss, an das unvergleichliche Vorbild Freddy Frinton. Mimik, Gestik, der charakteristische gespreizte Schlurfgang mit den vielen Varianten des Einschenkens von „Cherry, Whitewine, Champaign und Port“ und des Abtragens der Speisen von Norbert Zilz sind so FreddyFrinton-authentisch, dass man noch beim Anschauen des (Fernseh)-Originals verblüfft ist. Dabei gibt es doch kleine, aber feine Unterschiede. Butler James zeigt nicht das Stolpern und Nicht-Stolpern über einen Tigerkopf, sondern in Halberstadt über einen „plattgemachten“ Eisbären. Es gibt keinen Kamin und keine Treppe für das Entschwinden von Miss Sophie und James mit den nonchalanten Worten „Well, I'll do my very best !“. Wobei bis heute unklar ist, was dann zwischen den beiden „as last year“ passiert. Szenenbeifall für gelallte Trinksprüche In Halberstadt gibt es dafür einen musikalischen Fingerzeig, denn nicht wie im Original spielt man als Musik „Charmaine“ sondern „Komm mit mir ins Chambre separé“ Natürlich wurde auch in Halberstadt „Dinner for One“ im Original gespielt und dem (fast) lupenreinen Oxford-Englisch von Norbert Zilz und Edith Jeschke ist höchstes Lob zu zollen. Lachsalven und viel Szenenbeifall für die lallenden Trinksprüche, die James anstelle der Gäste ausbringen muss, vor allem, wenn er das Glas mit der Blumenvase vertauscht und den Portwein von der Tischdecke wieder ins Glas befördert sowie nebenbei Miss Sophie samt Lehnstuhl in einen Schwebezustand befördert. Edith Jeschke und Norbert Zilz spielen mit schwarzem Humor ganz ernsthaft „very british“ und man stellt sich auch diesmal wieder die Frage, warum „Dinner vor One“ in Großbritanien nahezu unbekannt und in Grönland und Südafrika Kult ist. Auch auf der Bühne des Nordharzer Städtebundtheaters war der Sketch ein Volltreffer. Wiederholungen zu Silvester 2007 sind ausdrücklich erwünscht.