Was wird sein?
Spielzeit 2017/18

Faust. Der Tragödie erster Teil

von Johann Wolfgang von Goethe

Alles studiert und doch nicht schlauer! Faust ist an einem Endpunkt: Das wahre Wesen der Dinge findet er nicht in Büchern, und wissenschaftliche Experimente führen ihn auch nicht zum Lebenskern – dies hat der Professor erkannt. Furchtlos widmet er sich nun der schwarzen Magie und beschließt den Teufelspakt: Mephisto soll ihm auf Erden dienen, ihm mit überirdischen Kräften zu den ersehnten Erkenntnissen verhelfen; und falls Faust jemals befriedigt ruht, so mag ihn der Teufel in die Hölle führen.
Ein fantastisches Abenteuer beginnt. Der ergraute Professor erhält seine Jugend zurück, reist mit Mephisto durch die Geisterwelt der Walpurgisnacht zum Brocken und entdeckt ein unbekanntes Gefühl: Die Liebe. Fausts skrupellosen Weg säumen Leichen – und am Ende: Ist er wirklich schlauer?

Der „Faust“ fesselte Goethe sein Leben lang, wurde umgeschrieben, verworfen, erweitert und bildet schließlich ein chaotisch-geniales Meisterwerk. Er fasziniert jede Generation neu; und jeder kann ihn für sich neu erschließen.

Wir danken dem Musik- und Theaterverein Quedlinburg für die freundliche Unterstützung dieser Inszenierung.

„Du bleibst, was du bist.“ Am Anfang und Ende von Philip Jenkins’ „Faust“ steht dieser Satz. Für das Nordharzer Städtebundtheater nimmt der Regisseur Goethes Klassiker auseinander und setzt ihn neu zusammen. Er kürzt das gewaltige Werk, verdichtet es und gibt ihm ein neues Ende. Nicht Gretchen hat damit das letzte Wort, sondern Mephisto. Denn man müsse „ein Ende finden, das dem ’Faust I’ als eigenständige Tragödie gerecht wird“, erklärt Jenkins.
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Gerold Ströher schleicht und schlendert als Mephisto aalglatt über die Bühne, zeigt Faust die Welt und hält ihm einen Spiegel vor. In der Inszenierung darf das Publikum zwei Faust erleben: Arnold Hofheinz zeigt mit Hingabe einen hochgradig frustrierten Misanthropen, der sich in seinem Studierzimmer einschließt und gegen Gott und die Welt wettert. Bis er Mephisto trifft.
In Jenkins’ Version erscheint Fausts Verjüngung wie ein großer Rausch: Kräftige Farben und seltsame Klänge umgeben den Forscher, der gerade den Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. Sebastian Borucki zeigt den im Grunde wiederbelebten Faust als jungen Mann, der sein Recht auf Lust und Leben rigoros einfordert, ohne an die Konsequenzen zu denken.
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Am Ende nimmt die Inszenierung noch einmal Fahrt auf, wenn eine starke Lisa Marie Liebler als verzweifelte Kindsmörderin im Gefängnis ihren Monolog an Faust anstimmt.
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Am Ende werden die Akteure zu Zuschauern, die den alten Faust bei seiner verzweifelten Selbsterkenntnis beobachten, dass er niemals alles wissen und verstehen wird.

Rita Kunze, Mitteldeutsche Zeitung

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Den jungen Faust im zweiten Teil gibt Sebastian Borucki. Ein Draufgänger. Ein Liebender – und zugleich Zerstörender, der zum Mörder wird. Die Szenen mit dem erst 14-jährigen Gretchen (Lisa Marie Liebler) sind großartig. Sie zeigt Hoffnung und Verzweiflung, spielt den Tod ihres ertränkten Kindes voll aus. Sie zeigt die Pein über die Gerüchte des Dorfes, sie habe ihre Mutter ermordet. Sie verfällt dem Wahnsinn, als auch noch ihr draufgängerischer Soldaten-Bruder Valentin (Curdin Caviezel) durch Faust erstochen wird. „Heinrich – mir graust vor dir!“ hält sie am Tag vor ihrer Hinrichtung resigniert dem einstigen Liebhaber entgegen.
Die Glanzleistung dieses Abends bietet Gerold Ströher als Mephisto. Schlangengleich, schnell, kultiviert in der Sprachbeherrschung wie in seiner Mimik und dem Fingerspiel. Andrea Kaempf schuf beredt erzählende, zeitgenössische Kostüme für das achtköpfige Ensemble. Ihre Bühne ist Theater auf dem Theater: Ein Gewölbe, das sowohl Studierstube des alten Faust wie Gretchens Zimmer ist, verhangen durch einen roten Theatervorhang. Am Ende sitzt die Dorfgemeinschaft, die Toten wie die Untoten, vor dieser Bühne. Links steht der alte Faust und wiederholt seinen Eingangsmonolog. […] Das Spiel kann von Neuem beginnen.
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Hans Walter, Volksstimme