Das Feuerwerk

Operette in drei Akten von Erik Charell und Jürg Amstein nach einem Lustspiel von Emil Sautter, Gesangstexte von Jürg Amstein und Robert Gilbert, Musik von Paul Burkhard

Zirkusdirektor Obolski und seine Frau Iduna tauchen nach dreißig Jahren Familien-Abstinenz unerwartet bei der vornehmen Geburtstagsfeier von Fabrikant Oberholzer, dem Bruder Obolskis, auf und sorgen dort für Furore und Aufregung. „Oh, mein Papa war eine wunderbare Clown“ schwärmt die charmante Iduna, woraufhin Anna, die Tochter des Hauses, sofort dem Zauber der Zirkuswelt verfällt. In ihrer Fantasie verwandeln sich die anwesenden Herrschaften in merkwürdige Gestalten. Die Tanten werden zu Raubkatzen, die Onkel zu Clowns. Annas Entschluss steht fest: sie will Artistin werden. Daran kann auch ihr geliebter Robert nicht rütteln. Erst als Iduna erzählt, wie hart und unstet das Zirkusleben hinter den Kulissen sein kann, kommen Anna Zweifel. Doch wird nach dem ganzen „Feuerwerk“ nun noch Annas Vater der Verlobung mit Robert zustimmen?

Musikalische Leitung  Michael Korth
Inszenierung  Holger Potocki
Szenische Umsetzung Freilicht  Andrea Moczko
Ausstattung  
Anna  Nina Schubert
Iduna  Bettina Pierags
Obolski  Ingo Wasikowski
Köchin  
Robert  Xiaotong Han
Vater  Gijs Nijkamp
Mutter  Edith Jeschke
Tante Paula  Marlies Sturm
Onkel Gustav  Norbert Zilz
Tante Berta  Thea Rein
Onkel Fritz  Tobias Amadeus Schöner
  Orchester und Statisterie des Nordharzer Städtebundtheaters

Pressestimmen

Vom Spießerheim direkt in die Manege
Da sind sie wieder! So wie der Zirkus immer mal wieder vorbeischaut, so kommt nun nach der Inszenierung von März 1999 in der Regie von Waltraud Hammer auch "Das Feuerwerk" wieder ans Nordharzer Städtebundtheater. Vertraut wirken Bettina Pierags als Zirkusstar Iduna, die erneut zum Star der Theatermanege (Ausstattung Alrune Sera) wird, und ihr Direktor Alexander, in dessen Rolle Ingo Wasikowski schlüpft. Regisseur Holger Pototzki gehört seit vielen Jahren zu den beliebten Gastregisseuren am Nordharzer Städtebundtheater. Erneut traf er im leider dünn gefüllten Premierenhaus den Geschmack des Publikums. Locker, leicht, mit sehr viel Liebe zum Detail und durchschlagender Komik setzt er Paul Burkhards Operette "Das Feuerwerk" um. Kapellmeister Symeon Ioannidis führt sein Orchester dabei routiniert, auch wenn die Ouvertüre noch etwas schaumgebremst klingt und später einige Nummern etwas zu laut tönen. Doch die Musik verbreitet eine prima Stimmung, auch wenn zuweilen eine Träne rollt, weil nicht alles so romantisch ist, wie es auf Familienfeiern erzählt wird.
Zu solch einem Fest, dem 60. Geburtstag des Hausherren Oberholzer (Gijs Nijkamp), kreuzen die Obolskis nach 30 Jahren auf. Sie landen in einer kleinbürgerlichen Idylle, der das Zirkuswanderleben so völlig fremd ist. Doch ihr Eintreffen wirbelt die behäbige Geburtstagsgesellschaft ziemlich durcheinander. Die drei Brüder blühen förmlich auf, als sie die Aura von Iduna spüren. Anna, gesungen von Nina Schubert, plant vorerst die Flucht aus dem Spießerhaus in die bunte Welt der Manege. Während daheim im Dialekt geplappert wird, fasziniert sie die keck französisch radebrechende mondäne Frau vom Zirkus.
Bettina Pierags vermag nicht nur sängerisch zu brillieren, wenn sie vom Pony Jonny und von Papa singt, "der eine wunderbare Clown und große Kinstler" war. Sie gestaltet nachdenklich die Rolle einer Dame, die hofft, aus der Rolle der Vorzeigegeliebten in die Rolle einer geliebten Ehefrau wechseln zu können. Sensibel vermittelt sie Anna, dass das schillernde Zirkusleben durchaus auch Schatten wirft. Holger Pototzki füllt das Stück immer wieder mit witzigen Ideen. Kerstin Pettersson entpuppt sich in der Rolle der drallen Köchin Kathi als wahre Komikerin, die als sentimentale Wortverdreherin und Partnerin des Geburtstagsduetts mit Anna viel Beifall bekam. Plötzlich wird das biedere Zimmer dank Alrune Sera mit wenigen Handgriffen zur Arena. Der Tisch, auf den Fisch und Gänsebraten kommen sollten, wandelt sich dank Lichteffekten zur Manege. Der Chef des Hauses, Husten-Gustav sowie der ländliche Feuerwerker Fritz wandeln sich in lustige Clowns, welche aus ihrem Trott in Tutu (Tobias Amadeus Schöner) und Clownsschlappen ausbrechen. Und ihre strengen Gattinnen fahren im Leoparden-Kostüm ihre Krallen aus. Wahre Glanz-Episoden, die Tante Paula (Marlies Sturm), Edith Jeschke als klassisch-gestrenge Dame des Hauses und Regina Pätzer als Berta da spielen dürfen. All das gepaart mit dem Auftritt des Ponys von Iduna lässt zirzensischen Zauber bis ins Parkett wehen. Doch das alles verfliegt wie der Duft von Pferden und Zuckerwatte im Zirkuszelt. Allein Norbert Zilz als Husten-Onkel Gustav sagt dem behüteten Leben Ade und bleibt fürderhin Clown. Einfach schöööön!
(Uwe Kraus / MZ)

Zirkusluft voller Geist und Komik
Sieben Minuten lang stehende Ovationen für Paul Burkhards Operette "Das Feuerwerk" am Sonnabend im Großen Haus Halberstadt des Nordharzer Städtebundtheaters. Regisseur Holger Pototzki, Ausstatterin Alrune Sera, Kapellmeister Symeon Ioannidis und elf Solisten gaben der 1950 in München uraufgeführten Operette, was der Operette ist: Witz und Geist, eine Liebesgeschichte mit Happy End, perlende Töne und viel Komik.
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Paul Burkhard hat ein herrliches Werk geschrieben. Seine Protagonisten schnattern in Dialekten und in liebreizendem gebrochenen Französisch. Die Musik ist vielfarbig: "Als Melodram, als reiner Gesang, als Lied, Duett, Couplet, es wird gesungen, es wird gesprochen, frei zur Musik oder in rhythmischem Ablauf; Situationen steigern sich zu Finales" - so Burkhard. Das machen das transparent aufspielende Orchester wie die auf Witz und Tempo angelegte Regie überzeugend deutlich. Die Verlegung des Werks vom Beginn des 20. Jahrhunderts in die 1950er Jahre bekommt der Operette gut (Dramaturgie: Susanne Range).
Das als running gag der Köchin (Kerstin Pettersson) mit Anna angelegte Geburtsttagsduett ist ein Kabinettstückchen an Komik, wie auch das Hustencouplet. Ein wahres "Feuerwerk" der szenischen Einfälle und schöne Ensembleleistung!
(Hans Walter / Volksstimme)