Was wird sein?
Spielzeit 2017/18

Die Fledermaus

Komische Operette in drei Akten von Johann Strauß, Text von Carl Haffner und Richard Genée

Seit Langem sinnt Dr. Falke auf eine günstige Gelegenheit, sich an Gabriel von Eisenstein zu rächen. Denn er kann seinem Freund nicht verzeihen, dass er ihn einst mit Hilfe eines lächerlichen Fledermaus-Kostüms coram publico bloßstellte. Mit dem abendlichen Maskenball bei Prinz Orlofsky naht nun endlich die ersehnte Chance, sich für den peinlichen Affront zu rächen. Falke hat eine ausgeklügelte Intrige ersonnen, die damit in Gang gesetzt wird, dass er Eisenstein überredet, heimlich den Ball zu besuchen. Als Eisenstein dort ausgerechnet mit seinem kostümierten Zimmermädchen Adele zu flirten beginnt, nimmt die Handlung umgehend an Fahrt auf, denn Dr. Falke versäumte es nicht, auch Eisensteins Frau Rosalinde auf den Ball zu bestellen. Rasch beschließt die ebenfalls maskierte Rosalinde, ihrem ahnungslosen Gatten eine eindrückliche Lektion angesichts des offensichtlichen Flirts mit fremden Frauen zu erteilen. Dabei gerät fast zur Nebensache, dass auch Rosalindes Treue eher auf tönernen Füßen zu stehen scheint, angesichts eines schmachtenden Verehrers namens Alfred, der allerdings in dieser Nacht als vorgeblicher Eisenstein heldenhaft dessen Gefängnisstrafe absitzt.

Die vergnüglich-turbulente Geschichte vermag nicht nur dank einer subtilen wie raffinierten dramaturgischen Konzeption zu punkten, sondern überzeugt zudem durch die wunderbare Musik von Johann Strauß voll sprühenden Ideenreichtums und musikalisch-technischer Perfektion. Das übermütige Verkleidungsspiel in Champagnerlaune gilt damit sehr zu Recht als ein zeitloses Paradestück der goldenen Operettenära.

Wir danken der Harzsparkasse für die freundliche Unterstützung dieser Produktion.

Aufführungsdauer: ca. 2 ½ Stunden

Mit dem Regisseur Walter Sutcliffe, der Ausstatterin Andrea Kaempf und dem Dirigenten Florian Kießling hatte das Nordharzer Städtebundtheater bei der „Fledermaus“ gleich drei Trumpfkarten gezogen. [...]
Die Regie und die Dramaturgie (Susanne Range) stellten den Notar Dr. Falke (Michael Rapke) von der Ouvertüre bis zum Finale im dritten Akt als Strippenzieher des Streichs um die unheilige Familie Eisenstein durchgehend vor. Anfangs schlüpft er in ein geiles Batmann-Kostüm; dann regiert er im Anzug das wahnwitzige bourgeoise Trugspiel mit Maskeraden und Rollenwechseln. Er spielt und singt mit Grandezza! Andrea Kaempf schuf ein konstruktivistisches Einheitsbühnenbild – einen aufwändigen prismatischen Raum. Wie eine Edelsteinstruktur. [...]
Orlofsky ist ein Mann mit Charisma. Nicht wie gewohnt mit einer Altistin besetzt, sondern mit dem britischen Countertenor Denis Lakey in rotem, fließendem Ballkleid. Wie eine Drag Queen; Olivia Jones hätte ihre helle Freude an ihm und an seinem Spiel mit den Geschlechtern. Spannung in jeder Sekunde! Der junge britische Starregisseur Walter Sutcliffe, erstmals am Städtebundtheater, sezierte die Mechanismen des Spiels um Schein, Sein und Selbstbetrug mit Genauigkeit, überwältigendem Charme, spielerischer Erfindungsgabe und bisweilen sogar mit lakonischer Slapstick-Komik. [...]
Musikalisch brachten ausnahmslos alle Solisten, das Orchester unter dem jungen Dirigenten Florian Kießling und der von Jan Rozehnal einstudierte Chor das Juwel „Fledermaus“ zum Funkeln. Eine erlebenswerte grandiose Ensembleleistung! [...]

Hans Walter, Volksstimme


[...] Die gesamte Inszenierung durchzieht der britische Humor, den Regisseur Walter Sutcliffe als Londoner schon mit der Muttermilch ausgesogen hat, der eine neue Note ins Harztheater bringt. [...]
Sutcliffes Regiearbeit kommt sehr gut mit dem heimischen Stammpersonal aus, das Szenenbeifall-beklatscht voll überzeugt. Dem stand das Orchester von Florian Kießling nicht nach. [...]
Schöne Szenen hat Tobias Amadeus Schöner, besonders wenn er mit der ungarischen Gräfin, seiner verkleideten Gattin, anbandelt und schließlich auf den Knien rutscht. Bettina Pierags singt diese Rosalinde bravourös und kehrt die betrogene Ehegattin heraus, die aber selbst ein Techtelmechtel mit Gesangslehrer Alfred (Max An) hat. Deren Stubenmädchen Adele wandelt sich vorwitzig zur Salonlöwin. Eine Rolle, die Bènedicte Hilbert charmant und stimmsicher ausfüllt. Adeles Schwester Ida gibt ausgebufft Thea Rein. Auch bei Regisseur Walter Sutcliffe darf Norbert Zilz sein komödiantisches Talent als trinkfreudiger Gefängniswärter Frosch ausleben. Dabei wird sein Dialog mit dem verwuselten Gefängnisdirektor Klaus Uwe Rein, der „Playboy“ und Peitsche im Schreibtisch verwahrt, mit schreiender Komik immer wieder auf Neustart gesetzt. [...]

Uwe Kraus, Mitteldeutsche Zeitung