Was wird sein?
Spielzeit 2017/18

Gefährliche Liebschaften

Ballett von Can Arslan nach dem gleichnamigen Roman von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos mit Musik von Gonzalo Alonso

„Gefährliche Liebschaften“ von Choderlos de Laclos gehört zu den skandalträchtigsten erotischen und gesellschaftskritischen Klassikern der Weltliteratur. Hermann Hesse benannte, was den 1782 erschienenen französischen Briefroman vor allem auszeichnet, in dem die gleichermaßen atemberaubende wie unmoralische Geschichte zweier von der Marquise de Merteuil und dem Vicomte de Valmont geplanter Intrigen erzählt wird: Er ist klug, kühl und unsentimental.

Das schon im Original literarisch und psychologisch eindrucksvoll in Szene gesetzte perfide Spiel um die Verführung sowohl der naiven jungen Klosterschülerin Cécile als auch der tugendhaften verheirateten Madame de Tourvel wurde zum Ausgangspunkt zahlreicher spannender Film-Adaptionen wie Theaterfassungen in Schauspiel, Oper, Ballett und Musical. Welche gefährliche Fallhöhe das leidenschaftliche Spiel mit der Liebe birgt, soll nun auch tänzerisch in dieser Ballett-Produktion des Nordharzer Städtebundtheaters erkundet werden.

Wir danken dem Theaterförderverein Halberstadt für die freundliche Unterstützung dieser Produktion.

Aufführungsdauer: ca. 75 Minuten


War das ein Fest des Balletts und des Musiktheaters! Auge und Ohr kamen mit der Uraufführung der „Gefährlichen Liebschaften“ von Ballettchef Can Arslan voll auf ihre Kosten. Eine weitere Sternstunde im Nordharzer Städtebundtheater! […]
Die Kostüme der Ausstatterin Andrea Kaempf sind Barock in unterschiedlicher Farblichkeit. Die Handlungsorte sind reduziert auf die wichtigsten Accessoires. […] Es sind theatralische Bilder von außerordentlichem, ästhetischem Reiz. Dazu tritt der betörend schöne Gesang von Runette Botha mit Koloraturarien von Vivaldi, Händel und Gounod. […]
Mit seiner Inszenierung schafft Can Arslan einen bewegenden Einblick in die Gedankenwelt seiner Protagonisten mit den Körpern seiner Tänzer. 75 Minuten reichen dem Choreographen aus, ein Sittenbild aus dem vorrevolutionären Frankreich zu zeichnen. Ein unglaublich dichtes Geschehen. […]
Zur Uraufführung waren auffallend viele junge Leute gekommen. Begeisterter Applaus und viele „Bravo“ – Rufe für das gesamte Ensemble – speziell für den Komponisten Gonzalo Alonso.

Hans Walter, Volksstimme


Als leidenschaftliches Spiel mit dem Feuer präsentiert Can Arslan die amourösen Liebesgeschichten. […] Dabei bedient sich der Choreograf eines sehr interessanten Kunstgriffs – tänzerisch sowie emotional überzeugend umgesetzt von Anna Vila. Sie stellt in solistischen Metamorphosen ihres Körpers und tänzerischen Attitüden mit den verschiedenen Adressaten und Autoren der Briefe den Briefwechsel dar. […]
Im Mittelpunkt der Intrigen steht die Marquise de Merteuil (Runette Botha). […] Diese Figur ist in Can Arslans Inszenierung etwas ganz Besonderes, vor allem in den Szenen mit Vinicius Augusto Menezes da Silva in der Rolle des Valmont. […] Für die Ballettadaption des Briefromans schuf der spanische Komponist Gonzalo Alonso eine Kammermusik für Klavier, Violoncello und Violine, die liedhaft-melodiös, rhythmisch und dramatisch ist, tänzerische Qualitäten hat und auch dem Charakter des Briefromans entsprechend intim ist. […] Der Tod als schwarzer Vogel (Jaume Bonnin) greift zum Finale ein. Drei Kurtisanen zeigen das Gefangensein in Konventionen, als Intermezzo getanzt von Sonja Jahnke, Caterina Cerolini und Masami Fukushima.

Herbert Henning, tanznetz.de