Nächstes Jahr – Gleiche Zeit

Komödie von Bernard Slade

Ein Hotelzimmer wird zur alljährlichen Wiederbegegnungsstätte eines Liebespaares besonderer Art. Aus dem anfänglichen Seitensprung entwickelt sich im Wandel der Zeiten und Persönlichkeiten eine tiefe Freundschaft und Liebe.
Es geht um das altbekannte Spiel zwischen Mann und Frau. Hier sind beide Mitte Zwanzig, beide pikanterweise verheiratet, als sie im Jahr 1951 in einem Hotel auf einander treffen. Es kommt wie es kommen muss, und sie erleben eine wunderbare Nacht.
Am nächsten Morgen wird vereinbart, keine Ansprüche an den anderen zu stellen: Keine Telefonate, keine Verabredungen, keine Briefe. Aber nächstes Jahr, zur gleichen Zeit, soll es im selben Hotel ein um so leidenschaftlicheres Wiedersehen geben.
Gemeinsam mit den Schauspielern genießen die Zuschauer während der Inszenierung des Stücks ein festliches Abendessen gehobener Hotelgastronomie und verfolgen das Stück anschließend hautnah im Hotelzimmer.

Inszenierung  Arnold Hofheinz
Ausstattung  
George  
Doris  
Chalmers  Arnold Hofheinz

Pressestimme: Wochenende bleibt Liebes-Konstante

VON UWE KRAUS
QUEDLINBURG/MZ - Nur das Hotel ändert sich scheinbar nicht. 113 Mal hat er mit der jungen, hübschen und zu früh unter die Haube gekommenen Katholikin Doris (Illi Oehlmann) geschlafen. George (Benedikt Florian Schörnig) hat es über 25 Jahre gezählt. Zwischen ihnen hat es mächtig 
gefunkt. „Nächstes Jahr – gleiche Zeit“, der Stücktitel klingt programmatisch. Sie beschließen, sich 
nächstes Jahr wieder in dem Strandhotel des schlürfenden, diskreten Nuschel-Mannes für alle Lagen zu treffen. Regisseur Arnold Hofheinz leitet in der Rolle des Chalmers das Publikum durch Haus und Komödie. Er verfolgt das Geschehen dienstbar. Zu Beginn glaubt Doris noch, er zwinkere ihr zu, doch es ist nur ein „nervöser Tick“. Ein Jahr um das andere sehen sie sich und spüren, die großen Gefühle werden nicht kleiner. Glücklich verheiratet, aber nicht miteinander, können sie ihre Ehepartner nicht ganz aus diesem Wochenende drängen und erzählen in einer ganz eigenwilligen Vertrautheit Geschichten von ihnen. 
Szenen (k)einer Ehe 
In der intimen Atmosphäre des Quedlinburger Hotels „Theophano“ erleben jeweils 25 Zuschauer die 
Wandlung zweier Amerikaner mit. Was bleibt, ist eine von Illi Oehlmann und Benedikt Florian Schör
nig wunderbar gespielte flirrende Zuneigung. Aus einem Seitensprung werden intensive Liebesnächte, jedes Jahr aufs Neue. Da spürt man, es ist etwas ganz Besonderes, was man miterlebt. Barabara Sauer-Funke vermag es, die Darstellern immer wieder zeitgerecht zu kleiden, während aus dem Radio Nachrichten, eingesprochen von Arnold Hofheinz, und die aktuellen Sommer-Hits klingen. Manchmal wirkt Doris äußerlich aufgeblühter als Jahre davor. George wird reifer, vielleicht auch mal spießiger, aus der ungestümen Doris, die eigentlich zu ihren jährlichen Exerzitien reist, entwickelt sich eine selbstbewusste, auch mal dem Zeitgeschmack angepasste Frau voller Temperament. Die Doris von Illi Oehlmann wirkt gierig nach dem besonderen Kick, Jahre später wild der Hippie-Generation anhängend und bei einem Jahrestreffen ist sie auch mal hochschwanger. Nicht von George. 
Der findet sie so nicht besonders attraktiv. Doch plötzlich setzen im Hotelbett die Wehen ein. George 
wird Geburtshelfer. Gerade diese Szene atmet so ganz besondere Nähe und schweißt das Paar noch 
stärker zusammen. Benedikt Florian Schörnig hat es von der Anlage der Rolle her oft schwerer, wirklich aus sich heraus zu lieben. Schuldgefühle seiner Frau Helen gegenüber plagen ihn, die Impotenz-Diagnose, von der die Schwiegermutter weiß, verunsichert ihn. Und plötzlich ist er mit 
wallendem Grauhaar und Gitarren klimpern wieder mehr der Suchende als die Geschäftsfrau Doris. 
Welch ein Spektrum erlebt das Publikum mit: Verklemmtsein und Vertrauen, Ängste, Gewissensbisse und animierende Körperlichkeit, jugendlich-lustvolle Hingabe und Erwachsenwerden. Arnold Hofheinz inszeniert zwischen Frühstückstisch, Hotel-Rezeption und Liebes-Suite Nummer 20 die zu allererst berührende, zuweilen komische und Romantik verströmende Komödie nicht als tränenfeuchtes Taschentuch-Stück. Und keineswegs voyeuristisch. Er arbeitet mit seinen Darstellern durchaus Szenen heraus, die verhalten stimmen. Liebesgewinn steht Verlust gegenüber; George verliert seinen ältesten Sohn im Krieg. Plötzlich gewinnt das Beisammensein im Bett politische Dimensionen. Job- und Geldsorgen, die attraktive Doris wird plötzlich Großmutter – die Zeiger der Lebensuhr kreisen unbarmherzig. Und dieses Wochenende im Strandhotel scheint eine unumstößliche Konstante. Plötzlich ist Helen tot, die über zehn Jahre von den heimlichen Treffen wusste und schwieg. Legen 
Doris und George die emotionale Zwangsjacke ab? Gibt es da ein Happy-End im Frühstücksraum 
des Hotels, in den im feschen Hosenanzug die Bürgermeister-Kandidatin Doris tritt? In ihrem Koffer 
liegt die rote Jacke, die sie 24 Jahresbegegnungen vorher trug und leise klingt wie damals der „Tennessee-Walk“. Man ist versucht in den Raum zu rufen: „Sag doch Ja“, als George am Schluss Doris einen Heiratsantrag macht. Aber, wer so lieben kann, muss der heiraten? 
Am Schluss gab es verdienter maßen stürmischen Applaus für Oehlmann und Schörnig, Sauer-Funke und Hofheinz. Beim Verbeugen fehlte jedoch ein wesentlicher Akteur: Theophano-Chefkoch Sebastian Vogel, der das höchst gelungene Hotel-Theater-Ereignis mit einem kalifornischen Spitzenmenue bereicherte!

Pressestimme: Ein Leben aus dem Koffer, der die große Liebe beinhaltet

nachtkritik.de, 18.Februar 2010
Aber mitunter klemmt es an der Öffnung des Gepäcks um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Allein ist man nicht immer im Stande die Sperre zu lösen, damit die Freiheit fühlbar wird, die einen umwehen kann. Da hilft nur schonungslose Wahrheit und Ehrlichkeit. Und die war spürbar bei der Premiere am 17.Februar 2010 von „Nächstes Jahr – gleiche Zeit“, einer Produktion des Nordharzer Städtebundtheaters, auf gänzlich fremdem Terrain – nämlich dem Hotel „Theophano“ in Quedlinburg. Das Experiment, die gewohnten Spielstätten zu verlassen, ist, um es vorab zu sagen, mehr als gelungen. Hernach kann man sich überhaupt nicht vorstellen, wo die Expedition sonst hätte stattfinden können, so funktioniert hier die Verschmelzung von Theater und gegebener Wirklichkeit, die ihrerseits auch noch durch ein Filmteam des MDR überaus spürbar wurde. Das Ganze umrahmt von einem kulinarischen Menü amerikanischer Herkunft, was dem Stück eine gewisse Verortung verleiht. Im prüden Amerika der McCarthy Ära treffen die anderweitig verheirateten Doris und George in einem Strandhotel zufällig aufeinander. Sie verleben eine rauschhafte erotische Nacht, an dessen Ende ein karges Frühstück steht, dem das Publikum im Cafe des Hotels beiwohnt. Ein zügelloser One Night Stand. Eine Affäre - mehr nicht. Mehr Nicht? Nein - viel mehr. Der wohl so nicht beabsichtigte Anfang einer Beziehung, die später silbern glänzen wird, da man, nicht voneinander lassen wollend, sich jedes Jahr zur gleichen Zeit am gleichen Ort, verabredungsgemäß wieder sehen wird. Eine am Ende unverblümt geäußerte Kopulationsstatistik lässt mehr als erahnen, dass diese Treffen von einer großen Leidenschaft geprägt sind. In sechs Bildern breitet Regisseur Arnold Hofheinz nun eine Spielwiese aus, die treppauf, treppab den Protagonisten Illi Oehlmann und Benedikt Florian Schörnig alles abverlangt, was man so im Theater eigentlich nicht gewohnt ist. Die intensive Nähe zum Zuschauer. Man ist ganz fasziniert und gleichzeitig auch irritiert, sich als Betrachter zu wissen, der so sehr in das Geschehen hineintaucht, dass die Grenzen langsam verwischen. Das Privileg das einem geschenkt wird, ist die sonst verschlossene Einsichtnahme in eine greifbare, emotionale Gemengelage eines Paares, das eigentlich keines ist und doch nie etwas anderes war. Man sieht beide in der Lobby noch mit Gewissensbissen ringen um später, in intimer Umbauung eines Hotelzimmers der Entwicklung beider Figuren beizuwohnen. Das ist spannend, aufwühlend und mit einer guten Dosis Humor versehen. Wobei die Gefahr in das kitschige abzugleiten immer wieder gebannt wird. Dies liegt auch an der feinfühligen Regie, die mit leichter Hand die Zügel locker lässt und somit beiden Schauspielern die freie Möglichkeit gibt ihre Kunst zu zeigen. Und wie! Illi Oehlmann legt das ganze Spektrum ihres Könnens aus. Sie ist eine zu früh in die Familie gedrängte Mittzwanzigerin, dann eine Ausbrecherin des muffigen Amerikas hin zu einem Freiheitsheischenden späten Hippiemädchens und wandelt sich glaubhaft zu eine seriösen Geschäftsfrau, der irgendwann der Profit nichts mehr bedeuten muß. Die Gesten, der Ton sind jedes Mal anders, doch nie an Würde verlierend. Wobei die verschiedenen Stufen des Daseins plausibel zur Geltung gebracht werden, das temperamentvolle Spiel aber kaum die seelische Empfindung verdrängt, welche als roter Faden immer wieder durchleuchtet.
Gegen diesen Wirbelwind hat es Benedikt Schörnig nicht leicht sich zu behaupten. Aber er meistert es mit großer Bravour. Ihm gelingt der Spagat zwischen Komik und Tragik. Am Beginn ist er bereits das, was er später sein wird. Nicht im Aussehen sondern an Haltung. Ein Mensch dem die späteren Schicksalsschläge die wahren Gefühle eintreiben, sie zu Geltung bringen, ja sich endlich spiegeln lassen. Er ist verantwortlich für die berührenden Momente der Vorstellung, die er bar jeden Klischees heraufbeschwört, sodass sie mit eigener Empathie verwoben mitten ins Herz treffen. Solches verwundert dann doch sehr bei einem ausgewiesenen Boulevardstück. Diese Wendung, das sich hinter einem Kichern weit mehr verbirgt als eine elegante Pointe, ist das große Verdienst aller Beteiligten. Da erwischt man sich doch selbst bei einem Nachdenken über eigene Brüche im Leben oder über die Geraden, die so völlig ohne Spektakel auskommen. Auf, wenn man Pech hat sehr harten Sitzen reflektiert man sich im Gesehenen und fiebert mit den beiden sympathischen Figuren, auf der Suche nach sich selbst. Bei den sich etwas dehnenden Szenenpausen, die unabdingbar sind, da Barbara Sauer-Funke für eine hinreißende Modezeitreise verantwortlich zeichnet, schlürft Arnold Hofheinz als das Faktotum des Hotels auf Hitchcock’s Spuren durch die Kulissen. Als Diener, auch für die Zuschauer, leitet er charmant von Szene zu Szene – gleich seiner eigenen Inszenierung, die für zukünftige Projekte einiges versprechen kann. Da hat ein Schauspieler als Spielleiter seine Kollegen wohl verstanden und ihnen Raum gegeben um sich zu entfalten. Was damals einmal im Quartier 7 seinen Anfang nahm, als Versuch, die Theaterkunst an andere Orte zu führen, hat nun einmal mehr den richtigen Weg gefunden. Wobei auch die nicht zu verhehlende Anziehungskraft eines Hotels, die dort herrschende Anonymität, sich durchaus in das Bewusstsein der Zuschauer einschleicht. Viel Futter für die eigenen Gedanken. Doris und George gehen ihre eigenen Wege, die sich aber im Turnus kreuzen und in intensiven Erlebnissen zu großer emotionaler Dichte führen. Jedes Jahr seziert sich da das Leben neu, wird hinterfragt und kommentiert. Ohne Scham gelingen Augenblicke großer Rührung, die sich mit ulkigen Momenten im Wechsel vortrefflich verstehen. Doch da gibt es plötzlich noch ein parallel gedachtes Sein. Ein am Handgelenk tickender zweieinhalb Jahrzehnte währender Wunsch, den man nicht in die Tat umsetzen will, da man die Traute dafür verloren glaubt. Wer sich aber in all den Jahren gedanklich in die Umgebung eines Partners hineinsehnte, kann eigentlich das späte Glück nicht an sich vorbeigehen lassen. Das Stück von Bernard Slade ist wie ein guter Wein, der in den Nachgedanken der Zuschauer zu reifen beginnt. Im Gegensatz dazu aber auch schon im ersten Ausschank ungeheuer gemundet hat. Da kann man getrost die Gläser klingen lassen oder ein Dessert verdrücken, das aber nicht ganz so süß schmeckt, weil man über sich selbst in ungeahnte Reflexion geraten ist. Und das kann durchaus eine bitteren Beigeschmack haben, was aber einzig an einem selbst liegt, in der Konfrontation mit dem eigenen Leben. Theater wie man es sich wünscht.

Theodor Einspruch