Spielzeit
2018/19

Pandora

Kammertanzabend
von Can Arslan
mit Musik von Béla Bartók u. a.

Die auf Geheiß des Göttervaters Zeus von Hephaistos aus Lehm geschaffene Pandora erhält - als Rache für den Diebstahl des Feuers durch Prometheus - ein Gefäß, das alle Übel der Welt sowie die Hoffnung enthält: die legendäre Büchse der Pandora. Von den Göttern mit Schönheit, Liebreiz, musikalischem und sprachlichem Talent, Geschicklichkeit, Neugier und Übermut gesegnet, wird die "Allbeschenkte", wie bereits Hesiod den Namen Pandora deutet, zum Sinnbild der Verführungskraft der Frau und zerstörerischer weiblicher Urgewalt.
Can Arslan spürt in seinem neuen Kammerballett der schillernden Mehrdeutigkeit des Pandora-Mythos nach, indem er ihm das christliche Konzept der "Sieben Todsünden" gegenüberstellt. Durch die Verschränkung und Durchdringung beider Narrative rücken folgende Fragen in den Fokus seiner aktualisierenden choreografischen Erkundungen: Wo lauern die Übel und Laster des 21. Jahrhunderts? Was sind unsere persönlichen, meist tabuisierten "Gefährdungsthemen"? Können alle angstbesetzten Facetten des (weiblichen/menschlichen) Selbst erkannt und austariert werden? Wie sollte selbstbestimmtes, selbstreflektiertes Leben aussehen?

Aufführungsdauer: ca. 1 Stunde (keine Pause)
Fotos: Ray Behringer

Fr, 07.09.18, 19.30 Uhr    Kammerbühne Halberstadt Premiere
Fr, 28.09.18, 19.30 Uhr    Neue Bühne Quedlinburg
Sa, 06.10.18, 19.30 Uhr    Kammerbühne Halberstadt
So, 21.10.18, 15.00 Uhr    Neue Bühne Quedlinburg entfällt
Do, 01.11.18, 18.00 Uhr    Kammerbühne Halberstadt
Do, 08.11.18, 19.30 Uhr    Neue Bühne Quedlinburg
Fr, 21.12.18, 19.30 Uhr    Neue Bühne Quedlinburg Karten
So, 20.01.19, 15.00 Uhr    Kammerbühne Halberstadt Karten
Fr, 01.02.19, 19.30 Uhr    Kammerbühne Halberstadt Karten
So, 24.02.19, 15.00 Uhr    Neue Bühne Quedlinburg Karten
Fr, 01.03.19, 19.30 Uhr    Kammerbühne Halberstadt Karten
Inszenierung und Choreographie  Can Arslan
Choreographische Assistenz  Caterina Cerolini
Ausstattung  Sandra Dehler
Dramaturgie  Susanne Germer
Pandora  Masami Fukushima
Laster und Untugenden  Vinicius Augusto Menezes da Silva / Caterina Cerolini / Denison Pereira da Silva / Madoka Sato / Ana-Sanziana Beschia / Martin Anderson / Cristian Colatriano
Pressestimme Pandora

„(...) Can Arslan treibt seine Compagnie zu einer Dynamik, die beinahe an Hektik grenzt, getrieben von der klassischen Ballettmusik, die aus der Konserve klingt. Wahrscheinlich eine getanzte Referenz an das Getriebensein des 21. Jahrhunderts, in das er versucht, einen Bogen aus dem Kosmos der legendären Büchse der Pandora zu schlagen. (...)“

Uwe Kraus, Mitteldeutsche Zeitung

„(...) Weiß gefaserte Wände ragen in Sandra Dehlers Dekoration auf der Bühne in Quedlinburg dreiseitig auf, sieben knallrote Kisten reihen sich davor. Jede und jeder der sieben Tänzerinnen und Tänzer umklammert ein Glaskästchen, das innen aufleuchtet - soll damit die Isoliertheit des Individuums symbolisiert und auf den radioaktiven Leuchteffekt des Urans angespielt werden, dessen Spaltung dem 20. Jahrhundert so viel Unglück beschert hat? Schwarze T-Shirts, Metapher des Unheils, quellen hervor, werden übergestreift. Nur Pandora, getanzt von Masami Fukushima, verweigert die Verwandlung und muss eine Stunde mit ansehen, wie die Menschen nun miteinander umgehen. (...)“

Volkmar Draeger, Neues Deutschland

„ (...) Mutig geht Arslan nächste Spielzeit „Schwanensee“ in eigener Konzeption an, wagt spartenübergreifend Mozarts „Requiem“, mit Orchester, Sängern, Chor und „seinen“ Tänzern“. Gegenwärtig stehen sie auch mit Kammertanz abwechselnd an beiden Spielorten auf der Bühne. In „Pandora“ verknüpft Arslan den griechischen Mythos von der gottgeschaffenen Frau und ihrer Büchse voller Übel mit dem christlichen Kodex der Sieben Todsünden. (...)“

Volkmar Draeger, DANCE for YOU MAGAZINE

„(...) Can Arslan nutzt die starken Rhythmen und weichen Streicherklänge in der Musik Béla Bartóks geschickt, um jeder Untugend Raum zur Darstellung zu geben. Die Gier und die Wut, die Eitelkeit und Trägheit, die Völlerei und die Wollust und der Neid, die wirbeln auf der Bühne umher, umgarnen sich, leben sich aus, ziehen sich zurück. Ein ewiger Kampf von Versuchung und Widerstehen, von Sehnsucht und Angst. Mittendrin Pandora, entsetzt und fasziniert, irritiert und angeekelt. (...)“

Sabine Scholz, Volksstimme