Ritter Eisenfraß

Kinderoper von Johann Casimir Eule und Wiebke Hetmanek nach Motiven aus „Croquefer“, Musik von Jacques Offenbach, musikalische Einrichtung von Samuel Bächli

Die gute alte Ritterzeit, ach, wie war die schön! Da trafen sich tapfere Recken in glänzenden Rüstungen zu edlen Wettkämpfen im Dienste von Minne und Ehrbarkeit. Da splitterten krachend die Lanzen, erbebte die Erde unter den Hufen prächtiger Streitrosse und klang die Luft vom Klirren blanker Schwerter wider. Vom beflaggten Turm und prächtig geschmückter Tribüne aber blickten verträumt die schönen und edlen Burgfräuleins und Damen herab, deren Gunst und Taschentuch allein das ganze Gewese und Gewerke galt. So muss es wohl gewesen sein ... denkt sich zumindest Jacques, als er sich wieder einmal in das Spiel mit seiner Ritterburg vertieft und seine Phantasie ihn dabei in die wunderbare Welt von Ritter Eisenfraß führt. Und richtig: Dort haust im tiefen Verlies Gregor, das Burggespenst, Knappe Karl tüftelt seit Jahren an einer Grusel-Graus-und-Schreck-Maschine und es gibt sogar ein richtiges Burgfräulein! Schwertleite heißt die junge Dame, und die ist so richtig nach Jacques’ Geschmack. Das Problem ist, dass Schwertleite aus dem Geschlecht derer von Schlagetot stammt, mit denen Familie Eisenfraß seit Generationen im Clinch liegt. Zu allem Überfluss versucht Knappe Karl mit allen Mitteln den Streit anzuheizen, um endlich seine Grusel-Graus-und-Schreck-Maschine ausprobieren zu können...
Auf der Basis von Jacques Offenbachs burleskem Einakter CROQUEFER entstand eine „Große Oper für kleine Leute“, die junge Zuschauer in die Welt der Ritter und der Oper entführt.

Musikalische Leitung  Violetta Kollar
Inszenierung  Andrea Moczko
Ausstattung  Petra Korink
Ritter Eisenfraß  Ingo Wasikowski
Jacques, Neffe von Eisenfraß  Ki Soo Yoo
Karl, Knappe von Eisenfraß  Thea Rein
Ritter Schlagetot  Norbert Zilz
Schwertleite, Tochter von Ritter Schlagetot  

Zwischen Duell und Duett

[…] „Ritter Eisenfraß“ entführt im Nordharz in der Regie von Andrea Moczko junge Zuschauer in die Welt der Ritter und der Oper.

Sie erleben eine Stunde Ritter-Klamauk garniert mit einem Pasticcio aus verschiedenen Werken Jacques Offenbachs. […] Samuel Bächlis Mini-Instrumentierung schrumpft in Halberstadt auf eine Mikro-Variante. Doch Violetta Kollar als Allein-Unterhalterin und musikalische Leiterin der Inszenierung entwickelt daraus ein maximal-schmissiges Spektakel und heimst dafür stürmischen Applaus ein. […]

Petra Korink schuf die Ausstattung und Kostüme, die so recht nach dem Geschmack der Kinder sind.

[…] Ingo Wasikowski spielt als Ritter von und zu Eisenfraß weniger eine traurige Gestalt als vielmehr einen von Gemütlichkeit gezeichneten Burgherren mit komischen Momenten. […] Stimmlich sicher und mit souveräner, nicht unbedingt walkürenhafter Ausstrahlung schlägt Regina Pätzer als Burgfräulein den Bogen zwischen Koloratur und Klamauk.

So findet das als „Große Oper für kleine Leute“ angekündigte Werk nach einer Stunde zu einem vorhersehbaren Happy End. Dafür gab es viele Blumen und kräftigen Applaus.

Uwe Kraus / Mitteldeutsche Zeitung

Grusel-Maschine und tanzende Gerippe

Mittelalter und Gegenwart sind in der Kinderoper “Ritter Eisenfraß” verbunden - durch eine Rahmenhandlung, in der der Junge Jacques (Ki Soo Yoo) vor der Wohnzimmerlampe mit seinen Ritterfiguren spielt. “Fein machst du das!”, lobt ihn Violetta Kollar - das personifizierte Ein-Mann-Orchester am E-Piano.

Sie sorgte für Offenbachsches Flair, vor allem durch die Orchester-Sparvariante, die an die Nöte des Komponisten erinnerte, seine Persiflage auf die Kreuzritterseligkeit auf einem Nudelbrett von Bühne 1857 im Theatre des Bouffes Parisiens mit minimalster Besetzung aufführen zu müssen.[…]

Schön war’s gewesen, wäre etwas von diesem überdrehten Spaß in der neuen Textfassung der Nürnberger Autoren Johann Casimir Eule und Wiebke Hetmanek übrig geblieben. Aber ihr neuer Text steckte nur voller Vergröberungen und Klamauk. Jedes Digedag-Abenteuer war sozial und historisch konkreter. So plagen sich Eisenfraß (Ingo Wasikowski), sein Knappe Karl (Thea Rein), sein Neffe Jacques, der hier redselige Schlagetot (Norbert Zilz) und Schwertleite (Regina Pätzer), die liebreizende Tochter Schlagetots, mit einer “Grusel-Graus-und-Schreck-Maschine” aus allerlei klapperndem Küchengerät (Ausstattung: Petra Korink) herum. Ein Burggespenst namens Gregor kam ins Spiel, zwei Gerippe tanzen im UV-Licht durch das Gemäuer. Bloß hier wurde nicht der sprühende Geist Offenbachs beschworen, sondern der einer fantasielosen Rummelplatz-Geisterbahn.

Die Regie (Andrea Moczko) und vor allem die Darsteller trotzten dem drögen Text wenig ab. Das Vergnügen an der 60-Minuten-Produktion kam aus der offenbachschen Musik […] Violetta Kollar war hinreißend in ihrer Rolle als Maitre de plaisir am Klavier, an den Becken, am Horn. Im Gesang vom Solo bis zum “Herrjemine”-Quintett fanden die Akteure schön, mitreißend und temperamentvoll zusammen. Es gab viele Blumen und vier Minuten Applaus. Das ist für eine Kindervorstellung schon außerordentlich lange.

Hans Walter / Volksstimme