Spielzeit
2018/19

Text: Alexander Kluge (Folge 3 von 4) – Der Filmwissenschaftler Christian Pischel (FU Berlin) berichtet

6. März 2013, 19:30 Uhr, Alte Kantine Halberstadt

Auch in der dritten Folge über den gebürtigen Halberstädter versucht die Reihe „Text:“ sich dem Phänomen Alexander Kluge zu nähern. Diese Mal von der Seite FILMREGIE.

Alexander Kluge gilt zurecht als Ausnahmeerscheinung. Keiner hat sich in einem derart breiten Spektrum, über eine derart lange Zeit als Beobachter, Chronist, ja Seismograph der gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland erwiesen. Prägend war dabei die enge Verzahnung von literarischer, theoretischer und filmischer Arbeit, die er später auch um das Fernsehen erweiterte. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung soll vor allem Kluge als Regisseur stehen. Allein die Wegmarken dieser Karriere sind beeindruckend: Adorno vermittelt ihm ein Volontariat bei der Regie-Legende Fritz Lang, 1962 gehört er zu den Mitunterzeichnern des Oberhausener Manifests, das zum Initial des Neuen Deutschen Films wurde, er dreht Essay- und Spielfilme, die ihm internationale Preise einbringen, währenddessen unterrichtet er Studierende an Hochschulen und Universitäten... Wie kann man Zugang zu Kluges Bildkosmos finden? Wie ist seine Art zu Erzählen zu verstehen? Was bedeutet Montage bei Kluge? Wie ist das Verhältnis von Geschichte und Geschichten in seinen Filmen? In welchem Verhältnis steht er als Regisseur mit dem Schriftsteller und Theoretiker Alexander Kluge? Sicherlich zu viele Fragen für 90 Minuten. Aber fragen kostet ja nichts. Und deswegen widmet sich die dritte Folge zu Alexander Kluge dem Filmregisseur. Hierfür konnte „Text:“ den Filmwissenschaftler Christian Pischel von der Freien Universität Berlin gewinnen, um im Gespräch mit dem Schauspieldramaturg Sebastian Fust etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

6. März 2013, 19:30 Uhr, Alte Kantine Halberstadt, Zugang über die Kammerbühne

Eintritt: 5,- Euro

ACHTUNG! Nur 30 Sitzplätze!

Leitung: Sebastian Fust

Informationen zu Christian Pischel

Christian Pischel, Dr. des., studierte Theaterwissenschaft, Philosophie und Germanistik in Leipzig und Lausanne. 2006-2008 arbeitete er am Lehrstuhl für Theorie und Geschichte des Theaters an der Universität der Künste Berlin im Bereich Darstellende Kunst. Seit 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theaterwissenschaft/Seminar für Filmwissenschaft an der FU Berlin. 2009 promovierte er über die Affektpoetiken des amerikanischen Großfilms der neunziger Jahre. Von 2008 bis 2011 war er Mitarbeiter im Projekt »Affektmobilisierung und mediale Kriegsinszenierung« von Prof. Dr. Hermann Kappelhoff am Exellenzcluster »Languages of Emotion« (FU Berlin). Seit 2011 beteiligt er sich am DFG-geförderten Nachfolgeprojekt »Inszenierungen des Bildes vom Krieg als Medialität des Gemeinschaftserlebens«. Die derzeitigen Arbeitsschwerpunkte: audiovisuelle Formen der Affektmodulation, ferner Bild- und Fotografietheorie sowie Fragen nach der Medialität sozialer und politischen Fiktionen.


Bremer reist zum Kluge-Abend an

Veranstaltungsreihe gut besucht

Das filmische Schaffen von Alexander Kluge stand im Mittelpunkt der dritten Folge der Kluge-Serie in der Reihe „Text:“ des Nordharzer Städtebundtheaters. Schauspieldramaturg Sebastian Fust hatte am Mittwochabend Christian Pischel von der Freien Universität Berlin zu Gast, um den „Bild- und Textkosmos“ von Kluge zu erkunden.

Es war eine interessante „Lehrstunde“, die Pischel referierte. […] Zur Vorstellung des Filmemachers zeigte Christian Pischel den Kurzdokumentarfilm „Brutalität in Stein“ (1961), in den Trümmern des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes gedreht, und Sequenzen aus „Abschied von gestern“ (1962). An diesen beiden Beispielen wurden die konzeptionellen Überlegungen Kluges deutlich. Er liefert keine fertigen und eindeutigen Aussagen. Für Kluge soll der Zuschauer „die Welt hinterfragen und nicht mehr als gegeben hinnehmen“.

Bezeichnend für die Atmosphäre des Abends war, dass diese vom Zuschauer geforderte „Eigenarbeit und Phantasietätigkeit“ spontan geleistet wurde. Ein Beispiel: Bezug nehmend auf parallel eingespielter Aussagen von Rudolf Höß, dem Lagerkommandanten des KZ Auschwitz, wird ein Gebäudegang in der Phantasie der Zuschauer zum Weg in die Gaskammer. Angesprochen von der Bildsymbolik entwickelte sich ein lebhafter Dialog zwischen Podium und Zuhörerschaft. […]

Renate Petrahn / Volksstimme