Spielzeit
2019/20

A R C H I V
Text: DIE AMERIKANISCHE PÄPSTIN von Esther Vilar und zwei, drei andere Dinge

DIE AMERIKANISCHE PÄPSTIN von Esther Vilar und zwei, drei andere Dinge

PERSÖNLICHE EINLADUNG von Arnold Hofheinz, dem Schauspielkoordinator des Nordharzer Städtebundtheaters, zur nächsten „TEXT:“-Veranstaltung am 21. März, 19:30 Uhr:

„Unmittelbar neben dem Theater in Quedlinburg liegt die der Schutzpatronin der Stadt geweihte katholische St. Mathilden-Kirche. Schon immer war mir dieser Umstand fast wie ein Symbol vorgekommen, ist es doch eine weit verbreitete These, dass das Theaterspiel seinen Ursprung durchaus im Religiösen hat – man denke nur an das alte Griechenland – und dass das Bedürfnis des Menschen, zu spielen immer auch etwas mit einem Ritual oder einer kultischen Handlung zu tun hat. In der Garderobe des Quedlinburger Theaters erfuhr ich nach einer Probe die Neuigkeit vom Rücktritt Papst Benedikts XVI. Ein Rücktritt, der mich nachdenklich gemacht hat. Ein Papst tritt zurück. Geht das überhaupt? Ist das ein äußeres Zeichen für die schon oft diskutierte Krise der Kirche? Gibt es auch ein Krise in der Kultur, im Theater? Die Antwort liegt sowieso auf der Hand: Gerade bei uns wurde und wird über die Zukunft des Theaters diskutiert und gestritten? Aber die Frage sei gestellt: Interessieren diese Krisen überhaupt noch jemanden? Und gibt es neben all den Fragen nach Zuschauerzahlen, demoskopischen Entwicklungen und Finanzierungsmodellen auch noch andere Aspekte? 1982 schrieb die argentinisch-deutsche Schriftstellerin Esther Vilar das Stück „Die amerikanische Päpstin“, die fiktive Antrittsrede der ersten – gewählten – Frau in das höchste Amt der katholischen Kirche. Ein Stück, das herausfordert und provoziert – aber das genau diese Fragen stellt und Antworten sucht. Auch im Nordharzer Städtebundtheater wurde es schon in der Regie des alten Intendanten Gero Hammer inszeniert. Aus aktuellem Anlass möchte ich Sie, liebe Theaterinteressierte, einladen, sich erneut mit den Gedanken dieser streitsüchtigen Autorin auseinander zu setzen. In der Reihe „Text:“ präsentieren wir Ihnen eine Lesung des Stückes am Donnerstag, den 21.3.2013 um 19.30 Uhr im Theatercafe Quedlinburg. Zu einer sich daran anschließenden Diskussion über Kirche und Kultur in der Krise haben erfreulicherweise der Bürgermeister der Stadt Quedlinburg, Dr. Eberhard Brecht und der katholische Pfarrer der Quedlinburger Mathildengenmeinde, Christoph Tretschok ihr Kommen zugesagt. Ich würde mich sehr freuen, auch Sie an diesem Abend begrüßen zu dürfen.

Ihr Arnold Hofheinz“

TEXT: DIE AMERIKANISCHE PÄPSTIN von Esther Vilar und zwei, drei andere Dinge

Auch wenn bereits weißer Rauch über der Sixtinischen Kapelle in Rom stand und somit ein neuer Papst gewählt wurde: Wir widmen uns mit diesem Abend dennoch und trotz und immer noch aus gegebenem Anlass den Werten, der Moral, der Religion und der Kultur. Denn: Kann ein Papst einfach so zurücktreten? Ist Papst Franziskus wirklich „Gottes bester Mann“, wie das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL auf seinem aktuellen Titel fragt? Befindet sich die katholische Kirche in einer Krise? Befindet sich die Kultur denn nicht insgesamt in einer Krise? Kurz: Geht das Abendland nicht eh unter? Und was wird eigentlich aus dem Nordharzer Städtebundtheater?

Fragen über Fragen. Wer hat dafür schon die passenden Antworten?

Der neue Papst vielleicht?

Dabei hätten wir einen durchaus als Alternative zu verstehenden Vorschlag...

...oder vielleicht auch nicht?

Jetzt aber erst mal der Reihe nach:

Zunächst beginnt der Abend mit einer Lesung von Ausschnitten aus DIE AMERIKANISCHE PÄPSTIN von Esther Vilar durch Arnold Hofheinz. Und dann kommt das Gespräch. Wir sind besonders glücklich Ihnen mitteilen zu dürfen, dass wir für diesen Abend nicht nur den Bürgermeister der Stadt Quedlinburg, Herrn Dr. Brecht, sondern auch Christoph Tretschock, den katholischen Pfarrer der Mathildengemeinde Quedlinburg für unsere Diskussionsrunde über die Kultur an sich und für sich, allgemein und im Besonderen, gewinnen konnten. Moderiert wird die Veranstaltung vom Schauspieldramaturgen Sebastian Fust.

Über DIE AMERIKANISCHE PÄPSTIN von ESTHER VILAR
2022: Zum ersten Mal besteigt eine Frau den Papstthron. Johanna II. steht einer in jeder Hinsicht ruinierten Kirche vor. Ihr Monolog behandelt die Haltung der katholischen Kirche zu brennenden Fragen wie Abtreibung, Zölibat und Homosexualität mit kabarettistischem Witz, ohne je blasphemisch zu werden. Seit 1984 präsent auf unzähligen Bühnen, mit nach wie vor ungebrochener Brisanz.

Wann?
21. März, 19:30 Uhr

Wo?
Theatercafé Quedlinburg

Wie komme ich hin?
Das Theatercafé erreichen Sie über den Eingang zur Neuen Bühne, Marschlinger Hof 17/18, 06484 Quedlinburg

Gibt es was zu trinken?
Gerne können Sie auch während der Veranstaltung ein Getränk zu sich nehmen. Herr Wagner kümmert sich um Ihre Getränkewünsche.

Was kostet der Eintritt?
5.- Euro


Auf der Suche nach Werten

Das Nordharzer Städtebundtheater macht in seiner Reihe “Text:” auf Krisensituationen in Kunst und Kirche aufmerksam.

[…] In der Runde im Quedlinburger Theatercafé begab man sich am Donnerstag auf die Suche nach Werten. Was brauchen wir, um uns im Leben zu verwirklichen?, Was treibt uns an? Was hindert uns? Was ist wichtig? Fragen, die jeder philosophischen Diskussion zur Ehre gereicht hätten. Die Denkanstöße gaben, den eigenen Teller zu betrachten und über seinen Rand hinaus zu schauen.

[…] Auch das Auditorium mit etwa 40 Interessierten suchte nach Antworten auf die vielen Fragen, die sich mit dem Erhalt von Kunst und Kirche stellen. Gefunden wurden sie nicht in jedem Fall. Klar war am Ende nur eines: das Mittun jedes Einzelnen ist gefragt, um gesellschaftliches Miteinander und kulturelle Vielfalt zu erhalten.

Zur vollständigen Rezension

Sigrid Dillge / Mitteldeutsche Zeitung


Schnelle Reaktion auf aktuelle Ereignisse

Schauspieldramaturg Sebastian Fust hat die Reihe „Text:“ für das Nordharzer Städtebundtheater entwickelt. In erster Linie sollen neue Texte und Dramatik in Form von szenischen Lesungen vorgestellt werden. Die Reihe versteht sich als Experiment, um schnell auf aktuelle Ereignisse reagieren zu können - so geschehen am Donnerstag mit Blick auf den Rücktritt des Papstes. Sie ist auch ein Podium in eigener Sache: Das von Sebastian Fust mit anderen entwickelte „Theatersubventionsspiel“ wurde im Rahmen der Reihe vorgestellt. […]

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