Spielzeit
2018/19

Tosca

Melodramma
in drei Akten von Giacomo Puccini
Text: Giuseppe Giacosa und Luigi Illica
nach dem Schauspiel „La Tosca“ von Victorien Sardou

Der an einem Kirchen-Gemälde arbeitende Maler Cavaradossi bietet dem aus der berüchtigten Engelsburg geflohenen Republikaner Angelotti an, ihm bei der weiteren Flucht vor der römischen Geheimpolizei zu helfen. Das veränderte Verhalten Cavaradossis provoziert sofort die Eifersucht der berühmten Sängerin Floria Tosca: mit fatalen Konsequenzen, denn Polizeichef Scarpia gelingt es fortan, Toscas Misstrauen gegenüber ihrem Geliebten in seinem gnadenlosen Vergeltungs- und Zerstörungsplan auf perfide Weise zu instrumentalisieren.

Regisseur Werner Pichler ist überzeugt, dass dieser musikalisch und emotional aufwühlende wie beklemmende Opern-Thriller keinesfalls an die der Handlung zugrunde liegende Zeit um 1800 gebunden ist: „Obwohl in TOSCA reale historische Ereignisse benannt werden, sind die Geschehnisse der Oper letztlich in jeder Epoche denkbar: Das künstlerische Freidenkertum wird von einer Diktatur unterdrückt. Cavaradossi wird durch die Loyalität zu seinem Freund Angelotti zum Staatsfeind. Und Scarpia scheut sich nicht davor, selbst die Kirche seinem diktatorischen System unterzuordnen. Dabei verfolgt er nicht allein seine politischen Ziele, sondern missbraucht seine Stellung auch, um sich Tosca gefügig zu machen. Das System Scarpia, ein wucherndes Geschwür, das sich immer mehr ausbreitet in alle Bereiche der Gesellschaft, der Kunst die Luft zum Atmen nimmt, jegliche Individualität opfert und so alles, was sich diesem System in den Weg stellt, erstickt!“

Wir danken der Harzsparkasse sowie dem Theaterförderverein Halberstadt für die freundliche Unterstützung dieser Produktion.

Fr, 27.09.19, 19.30 Uhr    Großes Haus Halberstadt Premiere Karten
So, 06.10.19, 16.00 Uhr    Lessingtheater Wolfenbüttel
Fr, 18.10.19, 19.30 Uhr    Kulturhaus Salzwedel
Sa, 26.10.19, 19.30 Uhr    Theater der Lutherstadt Eisleben
Sa, 02.11.19, 19.30 Uhr    Großes Haus Halberstadt Karten
So, 17.11.19, 15.00 Uhr    Großes Haus Halberstadt Karten
Fr, 22.11.19, 19.30 Uhr    Großes Haus Quedlinburg Karten
Fr, 27.12.19, 17.00 Uhr    Theater Rathenow
Sa, 01.02.20, 19.30 Uhr    Großes Haus Halberstadt Karten
Fr, 21.02.20, 19.30 Uhr    Großes Haus Quedlinburg Karten
Mi, 25.03.20, 19.30 Uhr    Großes Haus Halberstadt Karten
Di, 19.05.20, 19.30 Uhr    Theater Hoyerswerda letztmalig
Musikalische Leitung  MD Johannes Rieger
Inszenierung  Werner Pichler
Ausstattung  Andrea Kaempf
Dramaturgie  Susanne Germer
Chöre  Jan Rozehnal
Floria Tosca, Opernsängerin  Annabelle Pichler
Mario Cavaradossi, Maler  Max An
Baron Scarpia, Polizeichef  Juha Koskela
Spoletta, Gendarm  Jungwoo Jang
Ein Schließer  Ji Hoon Yoo
Sciarone, Gendarm  Gijs Nijkamp
Cesare Angelotti, politischer Gefangener  Gijs Nijkamp
Der Mesner  Norbert Zilz
Ein Hirtenknabe  Amrei Wasikowski
  Orchester, Opern- und Kinderchor sowie Statisterie des Nordharzer Städtebundtheaters

Pressestimme: Von Liebe und Leidenschaft

Volksstimme Magdeburg, 28.10.2008
Von Herbert Henning

...Aus Anlass des 150. Geburtstages von Giacomo Puccini inszenierte Henriette Sehmsdorf in italienischer Sprache am Nordharzer Städtebundtheater die Oper „Tosca“ als eine leidenschaftliche, qualvolle und düstere Oper. Einmal mehr triumphierte das Musikalische der Aufführung unter der musikalischen Leitung von MD Johannes Rieger...
...Vor allem Katharina Warken als Tosca gelingt eine zutiefst berührende Menschendarstellung.
Mit großer darstellerischer und stimmlicher Intensität macht sie die Wandlung von der krankhaft-eifersüchtigen Diva zur aufopferungsvollen Liebenden bis zur Mörderin und Selbstmörderin deutlich. Ihr „Vissi d’arte“ ist kein Gebet, sondern ein ergreifender Abschied von ihrem der Kunst und der Liebe geweihten Leben.
Von großer Intensität die Szenen mit Scarpia, den Juha Koskula mit äußerster Brutalität und Zynismus nicht zu einem romantischen Schurken, sondern zu einem modernen Machtmenschen kühl und unberechenbar macht.
Überzeugend auch Norbert Zilz als Mesner. Als Cavaradossi macht Raymond Sepe nicht nur das berühmte „E lucevan le stelle“, sondern auch die großen Szenen mit Katharina Warken als Tosca zu Höhepunkten der Aufführung. Viel Beifall für einen überzeugenden musikalischen Opernabend.

Pressestimme: Ein Abend der großen Stimmen und Emotionen

Volksstimme Halberstadt, 23.10.2008
Von Hans Walter

...Die Premiere im Großen Haus Halberstadt wurde zum musikalischen Triumph. Wundervolle Sänger, allen voran Katharina Warken a.G. (Tosca), Raymond Sepe a. G. (Cavaradossi), Juha Koskela (Polizeichef Scarpia) und Norbert Zilz (Mesner), der Opern- und der Kinderchor (Einstudierung Marbod Kaiser), dazu ein beherzt und differenziert aufspielendes Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters unter der musikalischen Gesamtleitung von Musikdirektor Johannes Rieger. Diffi - ziler, etwas trockener Streicherklang, und dazu hervorragende Blech- und Holzbläser und ein präzises Schlagwerk...
...Insbesondere der zweite und der dritte Akt werden zum dichten Kammerspiel – wobei ich mir bis zum Schluss nicht klar bin, was durch die hervorragenden Sängerpersönlichkeiten, was durch die Regie geleistet wird. Scarpia erscheint nun im Anzug, sein modern-nüchternes Hauptquartier besteht aus einem langen Tisch, zwei Stühlen und einer Türen-Schließanlage. Das Grauen spielt sich hinter den Wänden ab. Und im Inneren von Scarpia, Tosca und Cavaradossi. Die Tafel wird zum eigentlichen Machtzentrum. Scarpia wird seinen Stuhl verlassen, den er wie einen Thron behauptet, und auf die andere Seite wechseln, die Bittstellerseite Toscas.
Ein Sadist. Das kluge Programmheft (Dramaturgie: Aud Merkel) zitiert Erich Fromm mit „Die Kunst des Liebens“. Es gäbe eine verzweifelte Möglichkeit, in das Geheimnis der Seele des Menschen einzudringen. „Sie besteht darin, den anderen völlig in seine Gewalt zu bekommen, ihn mit Macht dazu zu bringen, das zu tun, was wir wollen, so dass er in ein Ding, in unseren Besitz verwandelt wird ... Wer sich in einem Verteidigungssystem verschanzt und darin seine Sicherheit durch Distanz und Besitz zu erhalten sucht, macht sich selbst zum Gefangenen.“ Eben das geschieht mit Scarpia. Er meint, die Dinge in Griff zu haben und zu siegen – und fällt von Toscas Hand.
Intensiv auch der dritte Akt, Cavaradossis Erinnerungen an Zeiten des Glück mit Tosca. „E lucevan le stelle“ – und es blitzten die Sterne – ist ein Meisterstück des Tenors Raymond Sepe, die Arie „O dolce mani“ gestalten die expressive Katharina Warken und Sepe als innige Klage ob ihrer blutbefleckten Hände und mit Heiterkeit, wie er die angebliche Erschießung und das Fallen spielen wird.
Umso bitterer der Schluss. Cavaradossis Hinrichtung ist Ernst – mit dem hochdramatischen Finale „Come é lunga l‘attesa! – Presto, su! Mario! Mario!“ Die Häscher kommen, um Tosca festzunehmen, sie stürzt sich in den Tod – sehr dezent und ästhetisch schön in einer Videoprojektion gelöst.
Das Publikum feierte die Akteure. Ein Abend der großen Stimmen und Emotionen. Elf Minuten Beifall!

Pressestimme: Inspirierende Interpretation mit Gefühl

Mitteldeutsche Zeitung, 21.10.2008
Von Uwe Kraus

...Was der von Kurt Tucholsky zu unrecht als „Verdi des kleinen Mannes“ verspottete Puccini szenisch wie musikalisch erdacht hat, setzt das Ensemble glänzend um. Sehmsdorf inszeniert den Thriller voller Dramatik auf einer Bühne voller Stimmungen, die durch eine Reihe Licht-Effekte erzeugt wird. Ihre Ausstatterin Sabine Hilscher schuf dafür einen Raum, der sowohl die von Puccini und seinen Textdichtern Giuseppe Giacosa und Luigi Illica gedachte römische Kirche Sant’ Andrea della Valle als auch Palazzo und die Engelsburg auf der Bühne skizziert. Immer wiederkehrend die universell eingesetzte Projektionswand, die mal das Bildnis Maria Magdalenas zeigt, mal die Tiefe in der sich die Titelheldin stürzt...
...Solide Leistungen boten dabei Gijs Nijkamp in der Doppelrolle des Angelotti und des Gendarmen Sciarone, aber auch Norbert Zilz als Mesner. Hervorzuheben ist Marlene Behrmann, die als Hirtenmädchen das schmerzvolle Liebeslied mit klanglicher Zartheit und Naivität singt.
Juha Koskela singt einen brutal wie tückischen Erzbösewicht Scarpia. Sein Bariton wirkt dunkel und zuweilen unterkühlt. Doch unter der Oberfläche brodelt seine Begierde, die Sängerin Tosca mit sexuellem Druck zu einem verhängnisvollen Wort zu treiben. Dieser Scarpia wirkt distanzlos und besessen. Sein tückisches Spiel gipfelt auch interpretatorisch darin, dass er Tosca zwischen piani und harrschem Diktatoren-Ton pendeln den Preis für die Ware Freiheit nennt, die sie für den geliebten Cavaradossi begehrt.
Gasttenor Tenor Raymond Sepe, hier bereits als Alvaro in „Macht des Schicksals“ gefeiert, verfügt über Höhensicherheit, lyrischen Klang und tenoraler Strahlekraft. Darstellerisch bot er in beklemmender Innigkeit das Trauma des von Scarpias Schlächtern Gefolterten. Sepe vermag sicher zu phrasieren, leise Euphorie klingt bei der Schilderung seiner Traumfrau Floria Tosca mit, Kühle beim Anrennen gegen den verlogenen Scarpia.
In der Titelrolle gab es ein freudvolles Wiedersehen mit der flammenrot gewandeten Katharina Warken, die an diesem Haus bis 2006 große Rollen gesungen hatte und nun als Gast ihr Publikum wieder in den Bann zog. Ihre Abscheu und der Ekel vor dem nicht nur machtgeilen feingewandten Polizeiboss bietet sie darstellerisch wie sängerisch überzeugend dar. Ihre dramatischen Ausbrüche, lyrischer Schmelz in der Stimme, ihr Polarisieren zwischen sehnsüchtiger Geliebten, großer Diva und wutschnaubender Eifersucht, das beeindruckt. Das Publikum spendete verdient euphorisch Beifall.