„Unverzichtbar?“

Das heitere Subventionskürzungsspiel mit Niveau!

von Ralph Wollner, Lukas Fust und Sebastian Fust



Monopoly, mal anders

Das Nordharzer Städtebundtheater hat „Unverzichtbar?“, ein heiteres Brettspiel zur Theaterfinanzierung, erfunden.


Auf der Suche nach einer spielerischen Metapher für die Finanzkrise der deutschen Stadttheater hatte man bislang nur die Auswahl zwischen Schwarzem Peter und Mensch-ärgere-Dich-nicht. Dank einer Idee von Sebastian Fust aber gibt es nun eine Alternative: „Unverzichtbar?“ heißt das „heitere Subventionskürzungsspiel mit Niveau“, das der Halberstädter Schauspieldramaturg gemeinsam mit seinem Bruder Lukas Fust und Ralph Wollner entwickelt hat. Der Titel des Brettspiels für vier Personen zitiert das aktuelle Spielzeitmotto des Nordharzer Städtebundtheaters – allerdings nicht als appellative Selbstbestätigung, sondern in Frageform. Und damit ist sowohl der optimistische Ansatz als auch der ernste Hintergrund dieser Innovation klar: Den Häusern in Halberstadt und Quedlinburg steht das Wasser bis zum Hals, nachdem sowohl die beiden Städte als auch der Landkreis massive Kürzungen ihrer Zuwendungen beschlossen haben. Doch wo die üblichen Proteste keine Wirkung mehr zeigen, hilft vielleicht Galgenhumor. Und den gibt es beim Spielen reichlich.

Jeder Spieler steigt am Anfang der zehnwöchigen „Probenphase“ mit den Sparten Ballett, Musiktheater und Schauspiel auf höchstmöglichem Niveau ein – und stürzt in den folgenden Runden zuverlässig ab. Dafür sorgen die Ereigniskarten, die Kürzungen entweder direkt oder lakonisch (und in realistischer Höhe) verkünden oder die mittelbaren Folgen solcher Sparmaßnahmen suggerieren. Da beben die Tänzer vor Existenzangst, was mit der zynischen Bemerkung „Aber zittern ist kein Ballett“ kommentiert wird. Da ertränkt die Souffleuse ihren Kummer in Alkohol und neigt daher zur Unverständlichkeit, da bessern die Werkstätten ihr Gehalt mit dem Aufbau von Ikea-Regalen auf oder wird das Bühnenbild zwecks Zeitersparnis bereits während der Vorstellung abgebaut. Die Folgen sind in jedem Fall negativ, die einzelnen Genres rutschen dem „Spartenfriedhof“ am Fuße des Bretts immer näher und können auch durch die mit Würfelglück betriebenen Gegenbewegungen nur mühsam vor dem Aus bewahrt werden. Parallel dazu verläuft am Rande die Publikumserwartung mit, die im Finale des Spiels – zur Premiere – eine entscheidende Rolle spielt: Wenn sie zu massiv angewachsen ist, bringt auch das verbliebene Niveau der Sparten keine Punkte. Nur wenn sie auf Augenhöhe mit den künstlerischen Leistungen liegt, zählt zumindest der klägliche Rest.

Die Botschaft des Spiels, das mit Hilfe einer örtlichen Behindertenwerkstatt gefertigt und bislang an den Theaterkassen im Nordharz verkauft wird, ist eindeutig: Wirkliche Gewinner gibt es in diesem Negativ-Monopoly nicht, lediglich der Grad des Scheiterns zählt am Ende. Dass bei der öffentlichen Präsentation der reale Städtebundtheater-Intendant Johannes Rieger als Letzter durchs Ziel kam, mag man als Ironie des Schicksals verstehen. Auf das lokale Geschehen aber ist die Idee dennoch nicht beschränkt: Mit einer leichten Aktualisierung der Ereigniskarten lässt sich „Unverzichtbar?“ auch für andere Bühnen und Orchester in Not anwenden. Die Spieleerfinder bieten dafür ihre Unterstützung an. Und selbst wenn es mehr als fraglich erscheint, dass sich mit Hilfe dieses Planspiels tatsächlich ein Theater aus der Krise retten ließe – origineller war das Aufbegehren der Betroffenen selten. Als nächste Aktion will Sebastian Fust übrigens am liebsten Becketts „Warten auf Godot“ inszenieren – mit den Oberbürgermeistern von Halberstadt und Quedlinburg als Wladimir und Estragon.

Andreas Hillger / die deutsche bühne 3/12

Nachtrag in eigener Sache: Die öffentliche Leseprobe von Becketts „Warten auf Godot“ mit den beiden Oberbürgermeistern von Halberstadt und Quedlinburg, sowie unserem Intendanten Johannes Rieger in der Rolle des LUCKY, fand bereits am 23. Februar statt. Informationen und Pressestimmen hierzu findest Du bei Interesse im „Archiv“ .


Nutzen Sie die Gelegenheit und schlüpfen Sie für das erste Haushaltssubventions-kürzungsbrettspiel Deutschlands in die Rolle des Intendanten des Nordharzer Städtebundtheaters. Versuchen Sie Ihr Glück und Würfeln Sie um den Erhalt des Hauses mit allen seinen drei Sparten: Musiktheater, Ballett und Schauspiel! Versuchen Sie, 179 Arbeitsplätze in der Region zu erhalten!

Das Brettspiel ist für 1 – 4 Intendanten-Spieler geeignet und lässt Sie auf unterhaltsame und humorvolle Weise am eigenen Spielfigurenleib erfahren, gegen welche Widerstände Ihr Nordharzer Städtebundtheater unter den desaströsen Sparplänen und Zukunftsperspektiven in der Realität zu kämpfen hat!

Kämpfen Sie mit uns!

„Archiv“ und Pressestimmen zur Spielpräsentation

F A Q

Wie viel kostet das Spiel?
Lediglich 5,- Euro.

Wo kann ich es erwerben?
Sie können das Spiel über unsere Theaterkasse erwerben.

Kann man ich mir das Spiel auch zuschicken lassen?
Nein.

...und was macht das Theater mit dem eingenommenen Geld?
Es fließt an die DIAKONIE WERKSTÄTTEN HALBERSTADT gGmbH (gemeinnützige GmbH), anerkannte Werkstatt für behinderte Menschen, für die Herstellung der Spielfiguren und Spielverpackung – wofür wir uns noch einmal ganz herzlich bedanken!
 Und etwas geht an die Druckerei für die Spielbretter, Ereignis- und Premierenspielkarten.