Spielzeit
2020/21

Wiener Blut

Operette in drei Akten von Johann Strauß
Arrangement von Adolf Müller jun.
Text von Victor Léon und Leo Stein

Balduin Graf Zedlau ist der Gesandte von Reuß-Schleiz-Greiz beim Wiener Kongress. Er ist dienstbeflissen und selbst der eigenen Gattin zu dröge, als dass sie mit ihm unter einem Dach leben möchte. Doch einmal Wiener Blut geleckt, mutiert der brave Biedermann im Wiener Walzerschritt zu einem wahren Don Juan. Doch der Versuch, eine Begegnung der unerwartet in Wien eintreffenden Gattin Gabriele mit seiner langjährigen Geliebten (der Tänzerin Cagliari) und dem neuesten Objekt seiner erotischen Begierde (der Probiermamsell Pepi) zu verhindern, ist zu grandiosem Scheitern verurteilt.

An dem vergnüglichen Operetten-Plot reizt Marco Misgaiski Folgendes: „Das macht einfach Spaß! Also zum Teufel mit der Tiefenpsychologie und her mit einem kräftigen Schluck Wiener Blutes... Und das ‚Wiener Blut‘ hat es in sich. Es ist eine Art Bestandsaufnahme längst vergessen geglaubter Einzelstücke, eine musikalisch meisterlich gefügte Kollage von Walzermelodien und Liedern aus der Feder von Johann Strauß. Zahllose wunderbare Perlen sind in diesem Werk zu einem zugegeben funktionierenden Gesamtbild gefügt, doch spiegelt jede einzelne Nummer für sich betrachtet in ihrer eher formalen Kompositionsstruktur keinerlei psychologische Höhen und Tiefen von Bühnenfiguren wieder. Als Regisseur ist man aber gerade an den mentalen Zwängen der Charaktere und den daraus resultierenden Spannungen innerhalb von Personenkonstellationen eines Plots interessiert. Deren Existenz ist schließlich die Grundvoraussetzung für die Sinnfälligkeit und das Vorankommen einer Theaterhandlung. Die besondere Herausforderung an eine szenische Umsetzung dieser Operette besteht also darin, einerseits der reinen Tanzmusik eine handlungsrelevante Dramaturgie zu entlocken, ohne ihr aber andererseits dabei den eigenen Zauber zu rauben. Hilfe in diesem Dilemma bringt der federleichte Libretto-Text. Denn: Gibt man sich kopflos der herrlich amoralischen Moral der Geschichte mit ihren charmant-süffisanten Dialogen hin und identifiziert man sich genüsslich mit dem Haupthelden der Handlung, so wird bei diesem Werk jedes Regie-Bemühen ganz von allein zu einem lustvollen Unterfangen.“

Do, 24.09.20, 15.00 Uhr    Großes Haus Quedlinburg Corona-bedingt ausverkauft
So, 11.10.20, 15.00 Uhr    Großes Haus Quedlinburg Karten
Di, 20.10.20, 15.00 Uhr    Großes Haus Halberstadt Karten
Mi, 21.10.20, 15.00 Uhr    Großes Haus Halberstadt Karten
Di, 01.12.20, 19.30 Uhr    Stadthalle Rheine
Mi, 09.12.20, 15.00 Uhr    Großes Haus Halberstadt Karten
So, 27.12.20, 15.00 Uhr    Großes Haus Halberstadt Karten
Di, 02.02.21, 15.00 Uhr    Großes Haus Quedlinburg Karten
So, 28.02.21, 15.00 Uhr    Großes Haus Halberstadt Karten
Do, 04.03.21, 19.30 Uhr    Kulturhaus Salzwedel
Mo, 05.04.21, 15.00 Uhr    Großes Haus Halberstadt Karten
So, 18.04.21, 15.00 Uhr    Großes Haus Quedlinburg Karten
Musikalische Leitung  Fabrice Parmentier
Inszenierung  Marco Misgaiski
Ausstattung  Andrea Kaempf
Dramaturgie  Susanne Germer
Choreographie  Can Arslan / Caterina Cerolini
Opernchor  Jan Rozehnal
Balduin, Graf Zedlau  Max An
Gabriele, seine Frau  Nina Schubert
Demoiselle Franziska Cagliari  Bettina Pierags
Kagler, ihr Vater  KS Klaus-Uwe Rein
Fürst Ypsheim-Gindelbach, Premierminister  Norbert Zilz
Josef, Kammerdiener des Grafen Zedlau  Tobias Amadeus Schöner
Pepi, Probiermamsell  Bénédicte Hilbert
Macron  Thomas Kiunke
Haushofmeister  Helmut Müller
Angie (alias Lori)  Thea Rein
Uschi (alias Lissi)  Amrei Wasikowski
Trump  Dobrin Alexandrov
Wirt  Helmut Müller
  Opernchor des Nordharzer Städtebundtheaters
  Harzer Sinfoniker

Pressestimmen: Wiener Blut

Mitteldeutsche Zeitung

Von Uwe Kraus,

„(…) Regisseur Marco Misgaiski verpasst dem etwas träge fließenden „Wiener Blut“ eine Infusion mit einigen Kalauern und Seitenhieben auch für die Halberstädter Politik, die eine „doppelstöckige Dönerbude vor den Theater-Eingang genehmigt hat“. (…)“

Volksstimme

Von Dr. Lange

„(…) Zum Amüsement der Zuschauer gönnt sich die Regie die kalauernde historische Unkorrektheit aus den Nebenrollen von Lori und Lissi, Angie und Uschi zu machen, und den beiden in der Maske der heute in Europa das Wort führende Damen eine schwarz-rot-goldene beziehungsweise eine mit dem Sternblau der Europaflagge verzierte Schärpe an- und entsprechende Texthäppchen in den Mund zu legen. Der Gastgeber für diese illustre Runde, die von einem trampligen Amerikaner namens Trump komplettiert wird, heißt natürlich Comte Macron und ähnelt eher dem gerade besiegten Napoleon. Eine Dosis Politkabarett, die nicht stört. (…)“