14.02.1932 – 25.03.2026
Neben allem, was die Lexika und offiziellen Beiträge sagen, sind es immer die persönlichen Begegnungen und Erinnerungen, die prägen. Auch wenn die Definition von Nähe einen großen Spielraum bietet, so bin ich, so war ich mit Alexander Kluge seit über 30 Jahren in Nähe verbunden. Eine Verbindung, die nie abgerissen ist. Irgendwie scheint er mich gemocht, ja geschätzt zu haben, jedenfalls wollte er mich immer für die Musikbeiträge bei seinen diversen Preisen dabeihaben. Es hat ihn wohl auch besonders berührt, dass ich ausgerechnet in seiner Heimatstadt gelandet bin. Ich bin sehr froh, dass er Ehrenbürger dieser Stadt wurde und wir hier viele schöne gemeinsame Veranstaltungen realisieren konnten. Alexander Kluge war (ich möchte diese Zeitform nicht verwenden müssen) ein großer Opernfan und Musikkenner, weshalb es für mich über die Jahre zu einer „Challenge“ geworden ist, ihn musikalisch zu überraschen. So spielte ich für ihn bei unserer letzten gemeinsamen Veranstaltung 2024 zur Ausstellungseröffnung im Gleimhaus ausschließlich Werke von Komponistinnen unter dem Standbild der Karschin, wo ihn die „Tonwellen“ von Emilie Mayer buchstäblich zu Tränen gerührt haben. Diese „Anrührbarkeit“ trotz aller intellektuellen Höhe und natürlich die unstillbare Neugier und Entdeckungslust wirklich bis zum letzten Atemzug waren ungeheuer inspirierend und beeindruckend. So platt es auch klingt, er wird fehlen.
Alexander Kluge hat einmal gesagt: „Es gibt nicht eine Welt, es gibt nicht eine Wirklichkeit, sondern die Wirklichkeit ist durchlässig wie eine dünne Eisdecke. Sie können durchrutschen in die Katastrophe oder zu den glücklichen Zwergen, die sozusagen andere Gesetze haben.“ So wird er in unserer Erinnerung als einer Wirklichkeit gegen das Vergessen weiterleben.
Von ganzem Herzen in tiefer Anteilnahme
Johannes Rieger
Intendant und GMD am Harztheater
Bildnachweise:
Das erste Bild zeigt Alexander Kluge mit GMD Johannes Rieger im Jahr 2014.
Das zweite Foto (von Ronald Göttel) zeigt die beiden mit Stefanie Dathe des Museums Ulm aus dem Jahr 2020. Beide Fotos wurden uns von Ute Pott / Gleimhaus zur Verfügung gestellt. Danke.