Probenszene mit Arnim Beutel und Luisa Jäger mit einem Bett.

120 JAHRE HAUPTMANN VON KÖPENICK

Premiere des Schauspiels am Samstag 17. Oktober 2026 um 19:30 Uhr im Großen Haus Quedlinburg.

Am 16. Oktober 1906 gelang dem arbeitslosen, vorbestraften Schuster Wilhelm Voigt in Berlin Köpenick ein unerhörter Coup. Weil er die Stadtkasse plündern und sich (seinen eigenen späteren wohl geschönten Angaben nach) einen Pass beschaffen wollte, kaufte er sich eine gebrauchte Hauptmannsuniform und kommandierte einen ganzen Stadtteil erfolgreich zum blinden Gehorsam. Widerstandslos parierte jene Gesellschaft, die ihn zuvor aus ihren Reihen hatten stoßen wollen, überließ ihm die 4000 Mark und salutierte zur eigenen Entlarvung. Ganz Berlin lachte sich schlapp über dieses „gelungene Verbrechen“ und Kaiser Wilhelm, dem sowohl Voigt als auch die Reaktion seiner Truppen imponierten, ließ Amnesie walten. 

1931 schrieb Carl Zuckmayer, der in seiner Beschäftigung mit Eulenspiegel auf den „falschen Hauptmann“ gestoßen war, sein mit dem Titel „ein deutsches Märchen“ überschriebenes Theaterstück, das ihm weltberühmt machen sollte. Zuckmayer ging in der Zeit des aufkeimenden Nationalsozialismus viel weiter, als der eigentliche Fall reichte. Er erschuf zum einen eine komplexe Figur, die daran verzweifelt, dass sie in den Mühlen der Bürokratie zermahlen wird – ohne Arbeit keine Aufenthaltserlaubnis und ohne Aufenthalt keine Arbeit – kritisierte andererseits die blinde Uniformhörigkeit seiner Zeitgenossen und erzählte en passant die märchenhafte Geschichte einer Uniform. 

Jetzt kommt das durch zahlreiche Filme berühmte Stück auf die Bühnen des Harztheaters. In der Regie von Frank Voigtmann, der zuletzt gemeinsam mit Ausstatterin Hannah Hamburger die umjubelte „Dreigroschenoper“ verantwortete, verdichtet sich der Zuckmayer‘sche Epos zu einer Befragung unserer Gesellschaft. Er geht den Fragen danach nach, was Schein, was Lüge und was ist Wahrheit sei. In Zeiten zunehmender Militarisierung und verschärfter Kriegsrhetorik bildet die Angst wieder den Nährboden einer ans Groteske grenzenden Hörigkeit. Rund um Arnim Beutel als Hauptmann von Köpenick arrangiert Voigtmann ein luzide agierendes Ensemble all jener, die sich selbst im Recht wähnen und die das Hamsterrad am Laufen halten, aus dem der arbeits- und heimatlose Schuster verzweifelt zu entkommen versucht. An ein Hamsterrad erinnert auch die Bühne von Hannah Hamburger. Auf einer großen Drehscheibe, die von den Spielenden angetrieben wird, rennt Voigt gegen alle Widerstände erfolglos an. Neben aller Tragik ist Zuckmayers Parabel aber – und auch das versucht die Inszenierung herauszuarbeiten – von einer ungeheuren Komik. Es darf, muss und soll gelacht werden, auch wenn es immer wieder Momente gibt, die so ans Herz gehen, dass aus dem Lachen Tränen geboren werden. Premiere ist am 17.10.2026, auf den Tag genau 120 Jahre nach dem Zeitungsbericht in der Berliner Morgenpost, der erstmals über die „Cöpenickiade“ berichtete. 

Das Foto zeigt eine Probenszene mit Arnim Beutel und Luisa Jäger (Foto: Alexandra Nesici).