Geschichte

Theatergeschichte wird von Menschen geschrieben: von Künstlerinnen und Künstlern, von Mitarbeitenden und von einem Publikum, das seinem Haus über Generationen verbunden ist. Die Geschichte des Harz­theaters erzählt von zwei Städten, von stetiger Ver­änderung und der Kraft, immer wieder neu auf­zubrechen.

Halberstadt

Schon Anfang des 19. Jahrhunderts bekam Halberstadt ein erstes Theaterhaus. 1905 wurde dann das neue Stadt­theater eröffnet, entworfen von dem Architekten Bernhard Sehring. Seitdem gab es ein festes Ensemble, in dem Schau­spieler wie Gustaf Gründgens oder Theo Lingen erste Bühnen­erfahrungen sammelten. Das Halberstädter Theater wurde in dieser Zeit  durch seine Wagner­opern deutschlandweit bekannt.

Nach der Zerstörung durch Bomben im Zweiten Weltkrieg begann der Theater­betrieb schon bald erneut – zunächst unter schwierigen Bedingungen, dann mit einem neuen Haus. 1949 wurde das Volks­theater Halberstadt eröffnet, einer der ersten Theaterbauten in Deutschland nach dem Krieg. Es stand für einen kulturellen Neuanfang in einer schwer getroffenen Stadt. Hans Auenmüller wirkte hier über vier Jahrzehnte bis 1991. Bis heute sind das Große Haus und die Kammerbühne die beiden festen Halberstädter Spielstätten.

  • Außenansicht des Stadttheaters Halberstadt in der Richard-Wagner-Straße 1905 bis 1945
  • Foyer des ehemaligen Stadttheaters Halberstadt 1905 bis 1945
  • Zeichnung des Zuschauerraums im Stadt-Theater Halberstadt um 1910
  • Umbau des ehemaligen Vergnügungslokals Elysium zum Nottheater um 1949
  • Neuaufbau des Eingangs des Stadttheaters Halberstadt um 1949
  • Neuaufbau des Garderobenfoyers des Stadttheaters Halberstadt um 1949
  • Außenansicht des Neubaus des Theaters Halberstadt um 1950 mit Theatervorplatz
  • Außenansicht des Neubaus des Theaters Halberstadt um 1950
  • Gruppenfoto des Theaterensembles mit Hans Probst im Kasernenhof in der Harmoniestraße
  • Musikdirektor Hans Auenmüller beim Dirigieren Ende der fünfziger Jahre
  • Historische Eintrittskarte ins Volkstheater Halberstadt 1958
  • Innenansicht der neuen Kammerbühne in der Spiegelstraße in Halberstadt um 1972
  • Historische Aufnahme einer Inszenierung am Harztheater mit Kammersänger Klaus-Uwe Rein in schwarz-weiß
  • Historische Aufnahme einer Inszenierung am Harztheater unter anderem mit Bettina Pierags in schwarz-weiß

Quedlinburg

In Quedlinburg wurde 1945, nur wenige Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, zunächst in einem Gaststättensaal Theater gespielt. Dann gründete man das Stadttheater als Dreispartenhaus und bezog die heutige Spielstätte im Marschlinger Hof. Die Sparte Musiktheater wurde 1964 gestrichen, man konzentrierte sich aufs Sprechtheater.

Über viele Jahre prägte das Haus das kulturelle Leben der Stadt. Selbst die Schließung wegen Baufälligkeit 1984 bedeutete keinen endgültigen Abschied. Das Ensemble spielte in Ausweich­spielstätten, bis 1997 das Theater nach der Sanierung wieder­eröffnet werden konnte – getragen von großem bürgerschaft­lichem Engagement und dem Wunsch, diesen Ort für die Zukunft zu bewahren.

  • Außenansicht des Großen Hauses Quedlinburg im Bau 1994
  • Theaterfest im Theater Quedlinburg 1994 mit Blick auf die Bühne und den Zuschauerraum
  • Außenaufnahme des Großes Hauses Quedlinburg, damals Schillings Theater genannt, am Marschlinger Hof, Zustand Mai 1994
  • Renovierungs- und Umbauarbeiten im Großen Haus Quedlinburg im Jahr 1997
  • Renovierungs- und Umbauarbeiten im Großen Haus Quedlinburg im Jahr 1997
  • Renovierungs- und Umbauarbeiten im Großen Haus Quedlinburg im Jahr 1997
  • Renovierungs- und Umbauarbeiten im Großen Haus Quedlinburg im Jahr 1997
  • Historische Aufnahme des Technik-Teams bei der Produktion Entführung aus dem Serail in der Spielzeit 1957 und 1958
  • Außenaufnahme der Neuen Bühne Quedlinburg am Marschlinger Hof, Zustand Juni 1994
  • Außenaufnahme des damaligen Schauspielhauses in der Scheune auf dem Freihof Mummental Quedlinburg, Zustand Mai 1994

Orchester

Die Harzer Sinfoniker bereichern seit mehr als 100 Jahren das kulturelle Leben der Region – auch wenn das Orchester diesen Namen erst seit 2019 trägt. Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1919 zurück, als sich das Städtische Orchester erstmals dem Publikum präsentierte. Zwei Jahre später benannte man es um in Ton­künstler­orchester Halberstadt. Später war es einfach das Orchester des Volks­theaters bzw. des Nordharzer Städte­bund­theaters. 

Doch ganz egal, welchen Namen es trägt: Die Musikerinnen und Musiker begeistern mit Sinfonie­konzerten, Musik­theater­produktionen, Open-Air-Konzerten und Gast­spielen ihr Publikum. Chef­dirigent und Intendant ist seit 2009 General­musik­direktor Johannes Rieger.

Zum Programm

Meilensteine

Ursprung

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Theater­vorstellungen durch wandernde Schauspiel­truppen sind seit dem 18. Jahrhundert in Halberstadt nachweisbar. Mit der Gründung des ersten Stadt­theaters, das am 27. September 1812 eröffnet wurde, gab es einen festen Raum, in dem sie spielen konnten. Das 1810 aufgelöste Nicolaikloster nahe der Peterstreppe wurde dafür hergerichtet.

Klang

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Die Gründung des Städtischen Orchesters in Halberstadt markiert den Ursprung der heutigen Harzer Sinfoniker. Am 14. Oktober 1919 gab das Städtische Orchester sein erstes Konzert: Im Großen Stadt­park­saal erklang Haydns „Schöpfung”. Die Formation bestand aus Musikern des Kur­orchesters Bad Harzburg. 1927 wurde es dem Theater angegliedert.

Vereinigung

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Durch die Fusion 1992 entstand aus dem Volks­theater Halberstadt und dem Stadt­theater Quedlinburg ein gemeinsames Dreisparten­theater mit Schauspiel, Tanz und Musik­theater. Unter dem Namen Nordharzer Städte­bund­theater wuchsen die Häuser und ihre künstlerischen Traditionen zusammen. Seit 2023 trägt es den Namen Harztheater. 

Geschichte

  • 1812
  • 1905
  • 1906
  • 1919
  • 1945
  • 1949
  • 1972
  • 1984
  • 1990
  • 1992
  • 1997
  • 2000
  • 2001
  • 2003
  • 2025
  • 2026
  • Am 27. September 1812 wurde das erste Stadttheater in Halberstadt eröffnet. Es befand sich im ehemaligen Nikolaikloster, das 1810 aufgelöst worden war und in privaten Besitz überging.

  • 1905 wurde das neue Stadttheater Halberstadt eröffnet. Architekt war Bernhard Sehring, zu dessen berühmtesten Bauwerken das Theater des Westens in Berlin und das Staatstheater Cottbus zählen. Im Harz wurden die Walpurgishalle am Hexentanzplatz Thale und die Roseburg bei Ballenstedt nach seinen Entwürfen gebaut.

    Viele Halberstädter Bürgerinnen und Bürger sowie zahlreiche Vereine der Stadt spendeten große Summen und Ausstattungsstücke für den Theaterbau. Die Kosten des Neubaus beliefen sich auf 450.000 Mark – das entsprach fast den kompletten Steuereinnahmen der Stadt Halberstadt in einem Jahr.

    Seitdem gab es ein festes Ensemble in Halberstadt, in dem bedeutende Schauspieler wie Gustaf Gründgens oder Theo Lingen erste Bühnenerfahrungen sammelten.

  • Dank des intensiven Engagements des Halberstädter Chirurgen Prof. Dr. Hans Kehr (1862-1916) fanden von nun an jährlich Wagner-Festspiele in Halberstadt bis 1910 statt. Er wollte in Halberstadt ein „Bayreuth des Nordens“ aufbauen und Opernaufführungen auf höchstem künstlerischem Niveau ermöglichen.

  • Am 1. Oktober.1919 kam mit der Gründung des Städtischen Orchesters Halberstadt das Musiktheater hinzu. Halberstadt verfügt seitdem über ein Mehrspartentheater. Zum Eröffnungskonzert wurde in den Stadtparksaal eingeladen Zum Orchester gehörten 32 Musiker. Geleitet wurde es vom Städtischen Musikdirektor Florenz Werner.


  • Am 8. April 1945 wurde das Stadttheater Halberstadt durch einen Bombenangriff verwüstet. Bereits im September 1945 nahm das Halberstädter Ensemble seinen Spielbetrieb im Speisesaal der Würstchen- und Konservenfabrik „Heine&Co“ wieder auf.

    Das Theater Quedlinburg wurde ab 1945 als Dreispartentheater gegründet. Es bezog die heutige Spielstätte am Marschlinger Hof.

  • 1949 wurde in Halberstadt ein Theaterneubau eingeweiht – das Volkstheater Halberstadt. Es gilt als einer der ersten Theaterbauten in Deutschland nach Kriegsende. Für den Umbau des Ball- und Festhauses Elysium wurde Trümmersteine der zerstörten Stadt verwendet. Architekt war der Halberstädter Alfred Ludwig. Der damalige Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt Prof. Dr. Erhard Hübener soll sich um die Beschaffung seltener Baumaterialien gekümmert haben.

  • 1972 wurde direkt neben dem Theater eine zweite Spielstätte geschaffen: die Kammerbühne. Auch der Verwaltungstrakt in der Spiegelstraße 20a entstand zu jener Zeit.

  • 1984 musste das Große Haus in Quedlinburg für den Spielbetrieb gesperrt werden. Durch das Fehlen finanzieller Mittel war das Gebäude am Marschlinger Hof immer mehr verfallen. Danach wurde zunächst in Ausweichspielstätten gespielt.

  • In Zusammenarbeit mit dem Landesmusikrat Sachsen-Anhalt e.V. fand 1990 die erste Orchesterwerkstatt statt, bei der junge Komponistinnen und Komponisten gemeinsam mit dem Orchester des Theaters an ihren Werken arbeiteten. Bis heute bringt das Format jedes Jahr junge Talente aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland zusammen, die ihre Kompositionen aufführen.

  • 1992 wurden das Volkstheater Halberstadt und das Stadttheater Quedlinburg zu einem gemeinsamen Dreispartentheater unter einer künstlerischen und betriebswirtschaftlichen Leitung vereint. Es hieß Nordharzer Städtebundtheater und wurde vom Land Sachsen-Anhalt sowie von den beteiligten Städten und den damaligen Landkreisen Halberstadt und Quedlinburg getragen.

  • 1997 wurde das Theater Quedlinburg nach einer umfangreichen Sanierung – auch dank des Engagements vieler theaterbegeisterter Bürgerinnen und Bürger – wieder eröffnet. Mit 1,8 Millionen Mark beteiligte sich das Land Sachsen-Anhalt an der Sanierung. 235 Sitze des Großen Hauses wurden von Privatpersonen und Unternehmen als Spende gekauft. Die feierliche Premiere zur Wiedereröffnung war Johann Wolfgang von Goethes „Iphigenie auf Tauris“.

  • Bei den ersten regionalen Schülertheatertagen zeigen Schultheatergruppen des Harzkreise ihr Können. Bis heute finden diese jedes Jahr statt.

  • Gemeinsam mit der Domkantorei Halberstadt wurden 2001 die ersten „Domfestspiele Halberstadt“ veranstaltet. Sie nutzen den historischen Halberstädter Dom als besonderen Aufführungsort und gehören seither zu den beliebtesten kulturellen Ereignissen in der Region.

  • Am 3. Oktober 2003 konnte der sanierte Bühnenturm des Großen Hauses Quedlinburg eingeweiht werden, wodurch sich die Bühne um etwa 40 Quadratmeter vergrößerte. Bürger, Firmen, Institutionen und Vereine spendeten etwa 63.000 Euro zur Finanzierung der baulichen Instandsetzung und der technischen Ausstattung.

  • Das Nordharzer Städtebundtheater wurde zum 1. Januar 2025 in die Harztheater gGmbH überführt. Gesellschafter sind der Landkreis Harz und zunächst die Städte Halberstadt und Quedlinburg. Zu den Trägern gehören der Theaterförderverein Halberstadt e.V., der Musik- und Theaterverein Quedlinburg e.V. und der Kammermusikverein Halberstadt e.V.

    Das Land Sachsen-Anhalt fördert das Harztheater jährlich als Landesbühne.

  • Das Philharmonische Kammerorchester Wernigerode wird zum 1. Juli 2026 Teil des Harztheaters. Die Stadt Wernigerode ist seitdem Mitgesellschafterin der Harztheater gGmbH.

Gruppenfoto des Philharmonischen Kammerorchesters Wernigerode

Neues Kapitel

Für noch mehr Klang unter dem organisatorischen Dach des Harztheaters sorgt seit dem 1. Juli 2026 das Phil­harmonische Kammer­orchester Wernigerode (PKOW). Das Orchester, das ein eigenständiger Klangkörper bleibt, hat eine 75-jährige Tradition und seit 2021 sein Zuhause im Konzert­haus Lieb­frauen in Wernigerode. Ein jährliches Highlight sind die Wernigeröder Schloss­festspiele. Gemeinsam mit den Harzer Sinfonikern schlägt das Philharmonische Kammer­orchester Wernigerode musikalische Brücken – und schafft Konzert­erlebnisse von besonderer Intensität.

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