Geschichte

des Nordharzer Städtebundtheaters

Theater am Marschlinger Hof Quedlinburg

NORDHARZER STÄDTEBUNDTHEATER

IHR THEATER IM HARZ!

Dreispartentheater mit Tradition

Getragen vom Land und den am Theaterzweckverband beteiligten Landkreisen und Städten wurden 1992 die zuvor eigenständigen Theater Quedlinburg (Schauspiel) und Halberstadt (Musiktheater und Ballett) zu einem gemeinsamen Dreispartentheater unter einer künstlerischen und betriebswirtschaftlichen Leitung vereint. Seitdem bietet das Nordharzer Städtebundtheater ein attraktives Kulturangebot für den Landkreis Harz sowie angrenzende Regionen mit erfrischend durchdachten Inszenierungen im Musiktheater, Ballett, Schauspiel, Märchen und Konzert. Die traditionsreichen Stadttheater Halberstadt und Quedlinburg sind mit 500 Vorstellungen im Jahr ein wichtiger Kulturträger in der gesamten Harzregion. Jährlich werden mehr als 100.000 Zuschauer erreicht.

Im Sommer bespielt das Nordharzer Städtebundtheater traditionell das Harzer Bergtheater Thale sowie die Waldbühne Altenbrak und präsentiert darüber hinaus Freilichtinszenierungen an historisch oder touristisch interessanten Orten. Es arbeitet seit 16 Jahren mit ca. 50 Gastspielhäusern in Deutschland zusammen. Gemeinsam mit der Domkantorei gestaltet das Theater die jährlichen Domfestspiele als markanten kulturellen Höhepunkt in der Stadt.

Seit Januar 2009 leitet Musikdirektor Johannes Rieger als Intendant das Nordharzer Städtebundtheater. Sein Anliegen ist es, das reichhaltige musikalische und dramatische Kulturerbe sowie innovative Entwicklungen unserer Zeit über nachfolgende Generationen weiter zu führen. Dabei kooperiert er verstärkt mit Partnern aus Wirtschaft und Kultur des Landkreises.

THEATER IN QUEDLINBURG gibt es seit dem 19. Jahrhundert, jedoch zunächst ohne festes Ensemble. Ab 1945 wurde das Theater am Marschlinger Hof als Dreispartentheater geführt. Nach der Neustrukturierung der Theaterlandschaft der DDR 1964 bot Quedlinburg dann reines Schauspieltheater, während im benachbarten Halberstadt Musiktheater gezeigt wurde. Da nicht genügend Mittel für eine Instandhaltung des Theaterbaus vorhanden waren, musste das zunehmend verfallene „Große Haus“ 1984 für den Spielbetrieb gesperrt werden. Erst 1997 wurde die Spielstätte auch durch das Engagement vieler theaterbegeisterter Bürger wieder eröffnet.

Großes Haus Halberstadt

THEATER IN HALBERSTADT hat eine jahrhundertelange Tradition und geht auf das Wirken des berühmten Bischofs und späteren Herzogs Heinrich Julius (1564-1613) zurück. Aber erst im 18. Jahrhundert sind regelmäßige Aufführungen durch wandernde Schauspieltruppen nachweisbar. Für 1797 ist beispielsweise ein sehr umfangreiches Gastspiel der Doebbelinschen Theatertruppe dokumentiert. 1812 erhielt Halberstadt sein erstes Stadttheater, das am 27.9. mit einem Prolog und einem Schauspiel von Iffland eröffnet wurde. Damit gehört Halberstadt zu jenen deutschen Städten, die schon frühzeitig ein festes Theatergebäude als ständige Spielstätte für gastierende Truppen eingerichtet haben, eine Entscheidung, die zweifellos auch der damaligen Nationaltheateridee Rechnung trug. Zur Jahrhundertwende wurden die Forderungen nach einem angemessenen Theaterbau in Halberstadt immer lauter, der renommierte Architekt Sehring erhielt den Bauauftrag. 1905 wurde das neue Stadttheater glanzvoll eröffnet, ein für damalige Verhältnisse modernes Haus (es gehörte zu den klassischen deutschen Jugendstil-Theatern) mit einem festen Ensemble, in dem bedeutende Schauspieler wie Gustaf Gründgens oder Theo Lingen debütierten und erste Bühnenerfahrungen sammelten. 1919 kam mit der Gründung des Städtischen Orchesters das Musiktheater hinzu, so dass Halberstadt seitdem über ein Stadttheater mit Mehrspartenbetrieb und umfangreichem Repertoirespielplan verfügte. Der verheerende Bombenangriff am 8. April 1945 verwüstete auch das Stadttheater, dennoch nahm das Ensemble im September 1945 den Spielbetrieb wieder auf, und bereits 1949 wurde in Halberstadt mit Goethes „Egmont“ ein Theaterneubau eingeweiht, der zu den ersten Theaterbauten in Deutschland nach dem Krieg zählt. Das in Erinnerung an die Volkstheateridee des Halberstädter Arztes und Wagner-Verehrers Dr. Hans Kehr in „Volkstheater Halberstadt“ umbenannte Stadttheater wurde zu einem künstlerisch leistungsfähigen Theater mit gutem Ruf und einem gesicherten Publikumsstamm.

Gemeinsam mit der Domkantorei gestaltet das Theater die jährlichen DOMFESTSPIELE als einen der markanten kulturellen Höhepunkte in der Region. Geboten wird dort ein Programm aus Konzerten, Ballettaufführungen. Höhepunkt 2006 war eine spartenübergreifende Inszenierung des ersten Teils von Kurt Weills „Weg der Verheißung“, die zum 2007 wiederholt wurde. Im Jahr 2007 folgte ein länderübergreifendes Tanztheaterprojekt „Der verlorene Sohn“ auf Musik des polnischen Komponisten Henry Gorecki mit dem Tanzensemble „Pour l’instant“ der Partnerstadt Belfort in Frankreich. Zu den Domfestspielen 2009, im Jahr des 200. Geburtstages von Felix Mendelssohn Bartholdy, wurde eine Ausstellung DIE MENDELSSOHNS in der Moses Mendeslsohn Akademie Halberstadt gezeigt. Im Dom erklangen beim Oratoriumskonzert der Kantorei ELIAS von Felix Mendelssohn Bartholdy und die 3. SINFONIE von Gustav Mahler mit dem Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters und dem Philharmonischen Kammerorchester Wernigerode unter der musikalische Leitung von MD Christian Fitzner. Das Ballett des Nordharzer Städtebundtheaters zeigte eine neue Inszenierung MESSE, ein Ballett von Jaroslaw Jurasz mit Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy und Wolfgang Amadeus Mozart. Bei den DOMFESTSPIELEN 2010 wurde dieses Ballett noch einmal gespielt. Am 6. Juni 2010 erklang im Halberstädter ausverkauften Dom die SINFONIE DER TAUSEND. Diese 8. Sinfonie von Gustav Mahler, dessen 150. Geburtstag sich 2010 jährt, nimmt als Meisterwerk deutscher Vokalsinfonik Bezug auf die Harzregion durch Texte aus Goethes Faust II und vereint musikalische Klangkörper aus Sachsen-Anhalt. Es spielten drei Orchester, das Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters, das Philharmonische Kammerorchester Wernigerode und die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie. Es sangen Solisten, der Opern- und Extrachor des Nordharzer Städtebundtheaters, der Mädchenchor Wernigerode, das vocalis ensemble Dresden, der Kammerchor Michaelstein und der Gemischte Chor Schönhausen.

Die Kooperationsanfragen vieler Firmen und Unternehmen des Landkreises machen deutlich, dass Kultur auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Ein ansprechendes Theater steigert den Wert einer Region, zieht Anwohner und Touristen an. Das Theater soll verstärkt nach außen wirken. Neben den Vorstellungen gibt es viele Veranstaltungsformen, die eine breite Öffentlichkeit erreichen, so der Tag der offenen Tür, das Theaterfest oder die beliebten Matineen an verschiedenen Orten in der Stadt. Formate wie „Die Vorleser“ oder „Kurzeinführung“ locken immer mehr Besucher ins Theater. Informative und unterhaltsame Programme stellen aktuelle Themen zur Diskussion und bringen Menschen dazu, sich mit sich und ihrer Umgebung stets aufs Neue auseinanderzusetzen.

Ein besonderes Anliegen ist die KINDER- UND JUGENDARBEIT. Als bundesweit einzigartige Veranstaltung zur Förderung junger Komponisten führt das Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters unter der musikalischen Leitung von MD Johannes Rieger in Zusammenarbeit mit dem Landesmusikrat Sachsen-Anhalt jedes Jahr die ORCHESTERWERKSTATTdurch, die 2010 zum 21. Mal stattfandt. Theaterpädagogische Angebote richten sich an Lehrer, Eltern, Schüler und alle, die mehr über Theater wissen wollen. Für sie gibt es Führungen, Vor- und Nachgespräche zu Vorstellungen, Beratung und Weiterbildung. Im Theaterjugendclub können Jugendliche ab 14 Jahren unter kompetenter Anleitung selbst Theater spielen. Ein besonderer Höhepunkt ist das jährliche SCHÜLERTHEATERTREFFEN, bei dem Kinder- und Jugendtheatergruppen aus der gesamten Region ihre Inszenierungen vergleichen.